Memoiren eines Lichtträgers / A Killing Glare / Das Urban Brawl Massaker und lauter lose Enden

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Bei den folgenden Text handelt es sich um die Fortsetzung der Memoiren eines Lichtträgers aus dem Tagebuch des Runners Silencio, aus dem später die Aufzeichnungen des Teams Bulletproof wurden, welches schließlich den Orden der Lichtträger neu gründete.
Jedes initiierte Mitglied der Lichtträger erhält ein Exemplar dieser Aufzeichnungen unter der Auflage es nicht an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen, dennoch erschienen Ende 2075 erste Teile der Aufzeichnungen in verschiedenen Data Havens. Ob es sich um Verrat oder eine Art von Rekrutierungsflyer der Lichtträger handelt ist bislang unbekannt.
Der aktuelle Stand der Veröffentlichung hier, entspricht dem Stand der Veröffentlichung ingame vom 15.10.2076.


Achtung Spoiler! SPOILERWARNUNG! Achtung Spoiler!
Dieser Text kann Informationen enthalten durch die der "Genuss" folgender Romane und Abenteuer eingeschränkt wird:

Romane:

Abenteuer:


Timecode 29.05.2054 / 22:35:00[Bearbeiten]

[Hier setzte unsere Erinnerung wieder ein, und alles, was zwischen dem Helikopterflug über dem Amazonas am 18.01.2054 und dem jetzigen Geschehen passiert war, blieb für uns lange Zeit im Dunkeln. Offensichtlich hatte die angewandte Magie nicht nur dazu geführt, daß wir so einiges vergessen hatten, sondern uns gleichzeitig auch mit einer gewissen Sorglosigkeit ob dieses Vergessens gesegnet. Ähm: FUCK!!!]

Ich konnte mich zwar nicht mehr an die Details des letzten Runs erinnern, aber er war gut gelaufen, und die Mienen von JD und Ator, die gemeinsam mit mir unserem Johnson, einem gewissen Hans Brackhaus, gegenüber saßen, sprachen Bände.
“Meine Herren”, begann der elegant gekleidete Herr auf der anderen Seite des Tisches, “ich danke für ihre wirklich hervorragende Arbeit. Sie haben sich ihre Bezahlung redlich verdient. Aber nun ist es an der Zeit, mich anderweitig zu betätigen. Ich wünsche noch einen angenehmen Tag und werde bei Gelegenheit auf ihre Dienste zurück kommen.” Mit diesen Worten stand unser Gegenüber auf und verließ die Bar, in der wir uns mit ihm getroffen hatten.
“Für den sollten wir öfter arbeiten.” JD grinste breit und fischte den Credstick aus der Tasche, den er, wie jeder von uns, gerade von Mr. Brackhaus erhalten hatte.
“Ja, das reicht sicher, um meine aufgelaufenen Mietrückstände zu begleichen – und es bleibt sogar noch was übrig”, gab ich zufrieden zurück.
“Okay Jungs, aber ihr wisst ja, nach dem Run ist vor dem Run. Also laßt uns Land gewinnen, die Ohren offenhalten und in Kontakt bleiben”, sagte Ator, erhob sich und verließ als erster von uns dreien die uns unbekannte Bar.

Cover "A Killing Glare"
© FASA

Timecode 04.06.2054 / 21:50:00[Bearbeiten]

Seit Tagen war die Stadt im Urban Brawl-Fieber. Kein Wunder, hatten es die Seattle Screamers doch dank einer unglaublichen Aufholjagd geschafft, das Finale der diesjährigen Meisterschaft nach Seattle zu holen. Überall in der Stadt traf man auf Fans der Screamers, und so war es kein Wunder, daß auch im Club Penumbra die eine oder andere neue Seattle-Screamers-Synthlederjacke tanzte, als wir zu unserer Verabredung mit einem uns unbekannten Johnson dort aufschlugen. Vereinzelt sahen wir sogar Fans der New York Slashers, der Gastmannschaft des Finales. Im Penumbra war man professionell genug und sparte nicht an Sicherheit, so daß nicht zu erwarten war, daß es zwischen den Fans zu ernsthaften Streitigkeiten innerhalb des Clubs kam. Gesprächsfetzen legten nahe, daß das vorherschende Thema wohl die Location des anstehenden Finalspiels war. Gleichzeitig wurden eine Menge Wetten abgeschlossen. Zumeist auf einen Sieg der Screamers, die kein einziges Spiel mehr verloren hatten, seitdem Punch und Judy, die beiden neuen Starspieler des Teams, mit von der Partie waren.
Aber wir waren für ein Geschäftstreffen und nicht zur Freizeitgestaltung hier, also bewegten wir uns zielgerichtet Richtung Hinterzimmer.
Zwei massige Orks mit fast unverborgener Artillerie standen vor der Tür Wache.
"Kann ich dir helfen?", fragte einer der beiden spöttisch, und ich wartete nur auf den Zusatz "Kurzer", um ihm ordentlich eins in die Fresse zu hauen. Leider tat er mir den Gefallen nicht.
"Wir sind hier, um Mr. Johnson zu treffen.", spulte ich meine kurze, aber offensichtlich ausreichende Antwort ab, denn der Ork öffnete die Tür und ließ uns passieren.
Das Hinterzimmer, das wir schon aus der einen oder anderen Geschäftsbesprechung kannten, machte den gleichen Eindruck wie immer. Gedimmtes Licht, ein großer Tisch, um den mehrere Sitzmöglichkeiten verteilt waren, darunter auch die eine oder andere für einen Troll geeignete.
Als wir eintraten, stand der Kerl, der am Kopf des Tisches sitzend auf uns gewartet hatte, auf. "Schön, daß Sie pünktlich sind", sprach er uns an. “Ich hasse es, warten zu müssen.”
Irgendwie kam er mir bekannt vor. "Mein Name ist Johnson,", fuhr er fort, "aber ihr könnt mich Baby Joe nennen."
Pling!!! Baby Joe, der Manager der Seattle Screamers! Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich mich darüber freuen sollte. Einerseits fühlte ich mich natürlich ein wenig geehrt, und ein gewisser Lokalpatriotismus ließ mich natürlich gern alles tun, um für einen sauberen Sieg der Screamers im bevorstehenden Spiel zu sorgen, andererseits waren derzeit so viele Augen auf die Screamers und ihr unmittelbares Umfeld gerichtet, daß es mir als Runner gar nicht gefiel, zu nah an ihnen dran zu sein. Meine Unentschlossenheit wurde nicht geringer, als wir erfuhren, wofür Baby Joe uns anheuern wollte.
Wir sollten in der Vergangenheit der beiden neuen Starspieler der Screamers, Punch und Judy, wühlen. Natürlich war bei deren Rekrutierung in die Reihen der Screamers bereits ein Backgroundcheck gemacht worden, der aber nicht weiter als 4 Jahre in die Vergangheit führte, als die beiden in der Urban Brawl-Szene aufgetaucht waren. Seither waren sie bei verschiedenen Teams, zuletzt den St.Louis Slaughter, unter Vertrag gewesen. Normalerweise würde ein solch unergiebiger Backgroundcheck zu einer sofortigen Entlassung der betreffenden Spieler führen, aber Punch und Judy waren einfach zu gut. Baby Joe brauchte sie für den Sieg in der Meisterschaft.
Er bot uns 5.000NY pro Person für den Job, und wir waren uns einig, daß wir auf das Geld scheißen würden, wenn wir stattdessen VIP-Eintrittskarten zur Meisterschaft und der anschließenden Meisterschaftsfeier erhalten würden.
Baby Joe zog die linke Augenbraue hoch, grinste breit und besiegelte den Deal mit einem Handschlag.
"Abgemacht. Ihr besorgt mir die Infos und ich euch die Karten. Hier habt ihr meine Komnummer. Meldet euch, wenn’s News gibt. Bis denne, Boys!"

Timecode 05.06.2054 / 20:00:00[Bearbeiten]

Da klar war, daß wir zunächst reine Beinarbeit leisten mussten, hatten wir uns noch am gestrigen Abend getrennt, um einzeln unsere Connections abzugrasen. Ich hatte Bert Breaker (fragt mich nicht, ob das sein echter Name ist, aber es ist der einzige, unter dem ich ihn kenne), einen mir bekannten Reporter, angerufen und Glück gehabt. Wie sich herausstellte, war Bert vor einigen Wochen selbst an einer Story über die beiden neuen Starspieler der Screamers dran gewesen und erzählte mir von einem ausgebrannten Magier namens "Bubba", den er selbst leider nie gefunden hatte, der aber mit den beiden in Verbindung gebracht wurde.
Nachdem ich meinen Chummern von meinen Erkenntnissen berichtet hatte, versuchte ich mein Glück bei Empty Space. Wenn eine meiner Connections etwas über einen ausgebrannten Magier wissen würde, dann er. Leider konnte er mit dem Namen überhaupt nichts anfangen, außer einem Verweis auf ein Kaugummi.
Letztlich war es Ator, der uns wieder in die Spur brachte. Er hatte von seiner Taliskrämerin Ms.Pandora nicht nur erfahren, wo Bubba seine Unterkunft hatte, sie bestätigte auch die Verbindung zu Punch und Judy.
Und jetzt standen wir vor genau dieser Adresse, in einem der miesesten Teile der Puyallup Barrens. Ehrlich gesagt, ich hätte mich wohler gefühlt, wenn Jack an unserer Seite gewesen wäre, aber den hatten wir schon seit ein paar Tagen nicht erreichen können. Sicherlich war er auf einer seiner berühmt-berüchtigten Sauftouren.
JD warf einen Blick auf das riesiger Squatter Camp, das direkt neben Bubbas Haus begann und schüttelte nur still den Kopf. Ator im Gegensatz schien diese Umgebung nicht neu zu sein, und er bewegte sich mit der Selbstverständlichkeit eines Einheimischen über die Straße.
Zu meiner Verwunderung war die Haustür noch vorhanden und offensichtlich unbeschädigt. Ich hoffte gleiches für die Gegensprechanlage, als ich den Klingelknopf für Appartment 2C, Bubbas Bude, drückte.
"Ja, was willste?", kam knisternd über die altersschwache, aber immerhin funktionstüchtige Anlage.
"Hi, ich bin Silencio. Du kennst mich nicht, aber meine Chummer und ich haben gehört, du kennst Punch und Judy, von den Screamers. Wir hätten da ein paar Fragen und ein paar Nuyen, die wir gern loswerden würden." Wie schon so oft versuchte ich es zuerst auf die freundliche Art. Und ein kurzes Summen an der Tür verriet mir, daß ich mich diesmal richtig entschieden hatte.
Als wir den zweiten Stock erreichten erwartete uns ein heruntergekommener Elf. Ich registrierte die SmartGun-Verbindung und seine Cyberaugen ebenso, wie die Ringe an seinen Fingern und die speckige Kleidung, die eher für einen Magier als einen Samurai sprachen. Er sah aus, als wäre die Welt fertig mit ihm – oder auch andersherum.
Er warf einen Blick ins Treppenhaus, wohl um sicher zu gehen, daß wir allein waren, und winkte uns dann in seine Bude. Bevor er die Tür hinter sich schloß, warf er einen erneuten Blick in den Hausflur. Offensichtlich etwas paranoid, der Kerl.
"Okay, was genau wollt ihr von mir?", fragte Bubba.
"Wie ich schon sagte, wir sind interessiert an Infos über Punch und Judy." Ich warf einen Blick auf die Einrichtung der Bude und korrigierte innerlich den Nuyenbetrag,"Und sind bereit dir 250 NY für deine Unannehmlichkeiten zu zahlen.".
Ich wusste, daß Ator den Astralraum im Auge behalten würde, während JD die Tür nicht aus den Augen lassen würde, also konnte ich mich ganz auf Bubba konzentrieren, dessen Bewegungen mich vermuten ließen, daß er einen aktivierten Reflexbooster in sich trug. Erhöhte Wachsamkeit!
Offensichtlich hatte ich Bubbas Finanzlage richtig eingeschätzt, denn er berichtete nun ohne Umschweife, dass es sich bei Punch und Judy um zwei ehemaliger Runner namens “Starlite” und “Topcat” handelte. Angeblich hatten die beiden mit Bubba und einem Decker namens Slider ein Team gebildet und waren recht erfolgreich gewesen. Schließlich hatten die beiden sich aus dem Staub gemacht und Bubba einfach zurückgelassen.
"…alles war prima gelaufen. Bis zu diesem Gentech Run. Silder musste ja unbedingt einen schnellen Blick auf die gestohlenen Daten werfen und…"
Weiter kam Bubba leider nicht. Plötzlich wurde die Tür eingetreten. JD zog profimäßig schnell seinen Predator und feuerte. Ich aktivierte meinen Booster und griff nach meiner Waffe.
In der Tür erschienen zwei echt miese Gestalten, deren Auftritt durch die Mündungen der Predator, die beide auf Bubba gerichtet hatten, nicht verbessert wurde.
Zwei schnelle Schüsse von JD ließen den ersten Angreifer getroffen zurücktaumeln. Der zweite eröffnete zwar noch das Feuer, wurde aber durch zwei Treffer meinerseits aus dem Verkehr gezogen.
Wir stürmten Richtung Tür, um eventuelle weitere Angreifer in Empfang zu nehmen. Doch niemand kam.
"Astral ist auch alles clean!", berichtete Ator, der ebenfalls einen kurzen Blick in den Hausflur warf. Ein Fehler, wie wir kurz darauf feststellen durften.
Bubba hatte die eine verdammte Sekunde der Ablenkung genutzt und sich irgendwie und unerklärlich aus dem Staub gemacht. Wir durchsuchten die gesamte Wohnung, fanden ihn aber einfach nicht. Dafür stieß JD auf Bubbas Rechner auf ein paar möglicherweise interessante Dateien, die sich anscheinend mit Gentech, Aztech, Biogene Industries, Yamatetsu und Biotechnologie im Allgemeinen beschäftigten. Wir kopierten sie für spätere Sichtung und machten uns aus dem Staub.

Timecode 05.06.2054 / 21:20:00[Bearbeiten]

Wir waren zu JD gefahren, da er mit Abstand das beste Computerequipment von uns dreien besaß, und wollten uns gerade über die Daten hermachen, als mein Handgelenktelefon einen Anruf von Jack meldete. Freudig nahm ich den Anruf entgegen, musste zu meiner Enttäuschung aber feststellen, daß die Leitung zwar offen war, von der anderen Seite aber keine Reaktion erfolgte.
"Irgendwas stimmt nicht.", informierte ich die anderen. "Jack antwortet nicht, aber es ist eindeutig sein Kom.". "Mach dir mal keinen Kopf um Jackiebaby.", kam von Ator zurück. "Der ist bestimmt total voll und rafft gar nicht, daß er dich grad angerufen hat." "Gib mal her das Ding!", mischte sich JD ein. Ohne Widerspruch kam ich seinem Wunsch nach und reichte ihm mein Telefon. JD verband es mit seinem Rechner und startete zwei Programme.
"Seltsam… praktisch keine Hintergrundgeräusche.", murmelte er, nachdem er einige Sekunden auf die Wellenform-Anzeige gestarrt hatte.
"Wahrscheinlich isser eingepennt, der olle Suffschädel. Macht euch doch keinen Kopf.", versuchte Ator eine Erklärung zu finden.
"Dann würden wir ihn mit Sicherheit schnarchen hören." Der Ork hatte ein glänzendes Verständnis für solche Dinge, und ich musste ihm im Stillen Recht geben. Wer schon mal neben einem betrunkenen Troll eingeschlafen ist, versteht, was ich meine.
"Okay, irgendwas stimmt da nicht. Ich probier’ mal was." JD griff nach seinem eigenen Telefon und rief eine seiner Connections an, einen Decker namens Piko, von dem ich noch nie gehört hatte. Innerhalb von zwei Minuten war Piko in der Lage gewesen, uns den Standort von Jacks Telefon mitzuteilen, was mich doch ein wenig erschreckte. Ich machte mir geistig eine Notiz, in Zukunft meinen Umgang mit den Dingern zu überdenken.
Mehr noch erschreckte mich aber die Adresse, die herauskam, als JD die Koordinaten auf einem Stadtplan von Seattle anzeigen ließ. Es handelte sich um die Location, in der wir vor einigen Monaten mit einigen Insektengeistern zusammengestoßen waren. Damit war klar, daß Jack in der Klemme steckte. Und wir machten uns auf den Weg…

Timecode 06.06.2054 / 02:35:00[1][Bearbeiten]

Wir hatten noch kurze Abstecher zu Ator und mir gemacht, denn weder er noch ich waren bereit, ohne vernünftige Ausrüstung den Insektengeistern entgegenzutreten. Jetzt aber standen wir direkt unter dem Penthouse im Treppenhaus.
"Und du bist dir sicher, daß die Wohnung hier zum Penthouse gehört?", fragte ich leise JD.
Dieser kicherte verärgert. "Was ist schon sicher in dieser Welt, wenn man nicht mal mehr weiß, welcher Spezies die Nutten angehören, die man gerade bumst? Aber ja, ich bin mir ziemlich sicher." Er zog sein Werkzeug hervor und begann, sich an dem Schloß zu schaffen zu machen.
"Schon seltsam, daß es hier so gar keine Überwachungskameras gibt." Ator dachte wieder einmal laut.
"Ist vielleicht ihrer Kundschaft geschuldet.", antwortete ich leise. "Ich meine, wer will schon gerne gefilmt werden, wenn er ein Etablissment wie dieses verläßt. Und dann darfst du nicht vergessen, was sich wirklich dahinter verbirgt." Mit einem Augenzwinkern unterstrich ich meinen offensichtlichen Gedankengang.
"Könnt ihr mal die Klappe halten? Ich muss mich hier konzentrieren. Das Ding hier ist nicht von schlechten Eltern." JD war sichtlich genervt von der Qualität des Schlosses und vielleicht auch von unserem Gelaber. Wir hielten also die Klappe.
"Alter, was is' jetzt?", platzte nach einer knappen Minute aus Ator heraus. "Ich werd hier noch kirre. Wenn die uns bei 'nem astralen Wachgang entdecken is' Schluß mit lustig. Kriegste das Ding jetzt auf oder nicht?" Es entsprach so gar nicht Ators Wesen, hier rumzustehen und abzuwarten.
"Nerv jetzt nicht, Ator!" Der orkische Sicherheitsfachmann und – neuerdings – Einbruchsspezialist schien deutlich gereizt.
"Kommt mal beide wieder runter!", versuchte ich die angespannte Situation zu entschärfen. Das brachte mir aber nur böse Blicke von beiden Seiten ein.
"Also, wenn unser Schlüsselmeister hier das Ding in 30 Sekunden nicht auf hat, mach' ich das auf Alligatorart!" Ators Haut nahm wieder diese seltsame grünliche Färbung an, und ich fragte mich, wie Alligator wohl zu Insekten stand.
"Wenn du meinst, du kennst einen besseren Weg, bitte." JD packte demonstrativ sein Werkzeug zusammen und trat einen Schritt beiseite.
"Haha… kommt lieber hinter mich.", war Ators Erwiderung, während er einen der heftigsten physikalischen Zauber wirkte, die ich aus seiner Hand je gesehen hatte.
Der Zauber ließ der Tür zwar keine Chance, aber der darauf folgende Entzug zwang Ator in die Knie.
"Du hast echt 'ne Vollmeise!" brüllte JD, während er seinen Predator zückte. Offensichtlich hatte er seine Hausaufgaben nicht gemacht. Nachdem wir das erste Mal hier gewesen waren, hatte ich einiges über Insektengeister in Erfahrung gebracht, darunter auch, daß sie durch Feuerwaffen nicht wirklich zu beeindrucken waren. Nahkampf war angesagt und so zog ich mein Katana aus der Hülle.
Ator wollte offensichtlich voranstürzen, war aber Dank des Entzuges durch den Zauber kaum in der Lage, sich auf den Beinen zu halten. Super Eigentor, Ator! dachte ich, während ich versuchte, meine Wut zu zügeln. Also übernahm ich die Spitze unseres kleinen Rescue-Teams.
Ich war keine zwei Meter weit gekommen, als eine ölig glänzende, schwarzgrüne Mantide neben mir materialisierte und mit einem ihrer Fangbeine nach mir hieb. Ich hielt mit dem Katana dagegen und durfte zufrieden feststellen, daß der Punktestand "Stahl gegen Chitin" sich zu unseren Gunsten verschoben hatte.
JD feuerte zwei schnelle gezielte Schüsse auf den Kopf der Mantide und brachte damit eines ihrer Augen zum Platzen. Zähflüssiger grünlichbrauner Schleim spritzte durch den Flur, in dem wir uns befanden.
Ich setzte mit dem Katana nach und nahm aus dem Augenwinkel wahr, wie Ator in die Knie ging, während zwei weitere Mantiden Gestalt annahmen.
JD machte einen auf "Klappmesser" und entging so knapp dem Angriff der ersten Gottesanbeterin. Seine Panzerjacke wurde jedoch ein Opfer des Angriffs der zweiten Mantide. Vor mir schlug das von uns getroffene Insekt halb geblendet wild um sich, was es fast noch gefährlicher machte. Ich suchte nach einer Blöße und stieß mit dem Katana zu.
"Kein Stellungskrieg hier!", brüllte ich über das knackende Geräusch hinweg, welches der Panzer des Wesens machte, als das Katana ihn durchdrang.
"Ator ist down!", meldete JD, während er auf die beiden verbliebenen Angreifer schoß.
Wie zum Widerspruch explodierte plötzlich der Schädel einer der Mantiden und wir erhielten eine erneute Insektenschleimdusche. Ich war mir ziemlich sicher, daß dies Ators Werk war, dennoch konnten wir seinen Körper hier nicht ungeschützt liegen lassen.
"Schnapp ihn dir!", blaffte ich John an. Etwas Besseres wollte mir nicht einfallen. Ich warf mich mit dem Katana zwischen JD und seinen verbliebenen Angreifer, um ihm die Sekunden zu erkaufen, die er brauchte, um Ators leblosen Körper aufzunehmen. Unglücklicherweise waren meine Nahkampffähigkeiten dem Insekt nicht gewachsen und es erwischte mich am linken Schienbein, zerfetzte meine geliebten Stahlkappenboots und hinterließ eine üble Wunde.
JD nahm Ator auf, und ich warf mich dem Viech entgegen. Ein schneller Schlag mit einem der Fangarme ließ meinen Angriff zur Nullnummer werden, aber wir hatten weitere zwei Meter an Boden gewonnen.
JD hatte Ator geschultert, und ich wehrte einen weiteren Hieb des Insekts mit dem Stahl der Kinge ab. JD feuerte in der Hoffnung, mir ein wenig Unterstützung zukommen zu lassen, dann explodierte der Leib des Insekts, als hätte ihm jemand Granaten zum Frühstück serviert. Diesmal nicht nur Schleim, sondern auch Splitter des Chitinpanzers. Egal, der Weg war frei.
Ich öffnete die ersten beiden Türen in dem etwa 12 Meter langen Flur. Hinter der ersten ein kleiner, dunkler Raum mit einer Treppe nach oben. Hinter der zweiten ein Lagerraum mit Regalen. Ein flüchtiger Blick ließ mich die Wallacher-Streitaxt unseres Chummers Jack entdecken. Wir waren also richtig hier. Ich griff mir die Axt und den langen, schweren Ledermantel in Trollgröße, der direkt neben dieser lag.
"Weiter, hier ist nur sein Zeug.", keuchte ich.
"Und mich kannste mal langsam runter lassen.", meldete sich überraschend Ator von Johns Schulter. "Ich hab’ Jack gefunden."
JD setzte ihn ab. "Schön, daß du wieder bei uns bist." Er begutachtete unseren Alligator, als wolle er sichergehen, daß Ator nichts abbekommen hätte.
"Ja, ich dachte mir, wenn sie materialisieren, sind sie vielleicht astral etwas abgelenkt." Ator warf einen Blick zurück auf den Flur und die entstandenen Spuren aus Insektenschleim und -panzer. "Scheint funktioniert zu haben. Folgt mir!", fügte er grinsend hinzu. Dann führte er uns ohne ein weiteres Wort zu einer Tür und stieß sie auf.

Ich hatte schon so einiges gesehen in meinem Leben, aber die Art und Weise, wie in diesem Raum Metamenschen in “Kokons” unterschiedlichster Größe aufbewahrt wurden, war mir neu. Ich zählte insgesamt neun dieser "Kokons". Zwei davon hatten die Größe, um Jack zu beherbergen. Ungefragt deutete Ator auf den linken der beiden.
"Hier ist Jack drin. Ist irgendwas Magisches, ich kann seine Aura kaum wahrnehmen, also fragt mich nicht, wieviel Leben noch in ihm ist."
Ich zückte mein Kampfmesser und schnitt den "Kokon" auf. Irgendwie fühlte es sich organisch und lebendig an, als würde man durch Sehnen und Muskeln schneiden. Dann blickte ich in das Gesicht von Jack. Er spuckte erstmal hustend einen Haufen grünlichen Schleim aus und öffnete dann die Augen.
"Wird ja auch Zeit, ihr Säcke. Habt ihr die Viecher erst noch geknallt oder wieso hat das so lange gedauert?", fragte er mühsam artikuliert, während er sich mit der gerade von mir freigeschnittenen Hand die Reste seines "Kerkers" vom Körper riß.
"Vielleicht heben wir uns den Smalltalk für später auf. Ich würd' hier gern raus, bevor mehr von den Viechern auftauchen.", erinnerte uns John Doe an unsere fragile Situation.
Ich reichte Jack seine Wallacher und den Ledermantel. "JD hat Recht, Jack. Laß uns hier erstmal verschwinden."
"Verschwinden???" Jack verschluckte sich und hustete noch ein kleines Schleimbröckchen aus. "Ich dachte, wir reißen denen jetzt mal ordentlich den Arsch auf!!!" Er schien sichtlich andere Pläne zu haben als wir.
"Nächstes Mal, Jack. Ator ist nicht ganz beieinander, ich hab' auch schon was abbekommen, und wir haben eigentlich 'nen ganz anderen Job am Laufen. Laß uns bitte verschwinden", versuchte ich ihn zum Einlenken zu bewegen.
Jack warf einen Blick auf Ator, schaute an mir herab und gab klein bei, als er meinen blutigen Stiefel sah. "Okay, wir hauen ab,", grollte er, "aber das hier ist noch nicht entschieden.".

Timecode 06.06.2054 / 03:50:00[Bearbeiten]

Nach einem kurzen Abstecher zu Dr.Pille, der die Wunde an meinem Bein desinfizierte und verband, um mich dann mit einer Handvoll Antibiotika nach Hause zu schicken, machten wir uns zu viert auf den Weg zu meiner Garage und Unterkunft.
Der Ganger, der wie üblich an der Einfahrt zu dem Hinterhof, auf dem sich meine Garage befand, positioniert war, gab mir ein Zeichen, daß alles in Ordnung sei. Was ich auch schwer hoffen wollte, schließlich zahlte ich einen erheblichen Teil meiner Miete nicht für die eigentliche Garage, sondern für den Schutz dieser durch die örtliche Gang.
Auf Knopfdruck öffnete sich das Garagentor und ich fuhr mit meinem kleinen Familienauto praktisch in mein Wohnzimmer. Die Garage bot genug Platz für den GMC Bulldog und einige Möbel, darunter mein Bett und einen stets abgeschlossenen Waffenschrank.
Ich stieß Ator an, der nach unserem Ausflug erstmal ein Nickerchen eingelegt hatte. "Alter, wir sind da. Kannst dich von mir aus auf meine Matte knallen. Ist bestimmt bequemer als hier im Doggie."
Verpennt öffnete Ator die Augen und rappelte sich auf. Er hatte keine zwei Schritte aus dem Bulldog gemacht, als er wie angewurzelt stehen blieb.
"Sag mal, gehören neuerdings magische Wächter zu deinem Sicherheitskonzept?", fragte er mit weit aufgerissenen Augen, die wohl gerade in den Astralraum blickten, da ich in seiner Blickrichtung nichts wahrnehmen konnte.
Ich schaltete innerlich auf Alarmstart.
"Eigentlich nicht. Wieso?", fragte ich zögerlich.
"Hmmm….naja, da hinten…", Ator deutete in eine Ecke an der Decke meiner Behausung,"…wartet ein ziemlich heftiger Elementar auf irgendwas." Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, materialisierte ein Wesen aus Feuer und Glut mit annähernd humanoiden Zügen in der von Ator bezeichneten Ecke. Und es formte hörbare Worte.
"Wissen ist Macht. Macht ist euch genommen worden. Um dies auszugleichen, habe ich euch etwas gebracht." Jede Silbe, die dieses Wesen sprach, wurde von kleinen Feuerzungen aus der mundähnlichen Öffnung am vermeintlichen "Kopf" der Erscheinung begleitet. Dann verschwand der Geist – das war zumindest meine erste Vermutung über die Herkunft dieses Wasauchimmers – und ließ einen kleinen goldenen Gegenstand zurück.[2]
"Alter, was war das denn?", fragte Jack, der seine Kampfaxt erhoben hatte, um damit nötigenfalls mit Schmackes gegen das Wesen vorgehen zu können. Er ließ sie auch zunächst nicht sinken, obwohl es keinen Hinweis mehr darauf gab, welch seltsamen Besuch wir gerade erhalten hatten.
"Ich hab' ehrlich gesagt keine Ahnung.", antwortete ich, während ich den auf dem Boden liegenden Gegenstand vorsichtig aufhob. "Laßt uns mal nachsehen, was es hier gelassen hat."
Wie sich heraustellte, handelte es sich um eine Art Datenspeicher, der über einen Retinascan gesichert war. Wir versuchten es der Reihe nach und jeder von uns wurde als berechtigter Benutzer der Daten anerkannt. Da JD der Versierteste von uns im Umgang mit Datenbanken verschiedenster Couleur war, überließen wir es ihm, sich einen ersten Überblick zu verschaffen, während Ator und ich Jack über unseren aktuellen Auftrag ins Bild setzten.
Als wir damit durch waren, stellte Jack die Fragen, die auch mir durch den Kopf gingen: "Okay, aber was hat das alles mit dem Elementar zu tun? Und wer läßt uns 'ne Datenbank zukommen? Mal ganz zu schweigen von dem Spruch von wegen Macht und so….?"
"Wenn ich mich da kurz einmischen darf?", meldete sich JD zu Wort. "Es scheint mir so, als würde dieses nette kleine Ding die Datenbank selbst gar nicht gespeichert haben. Vielmehr verbindet es den Rechner mit einer mir unbekannten Quelle, von wo die Daten abgerufen werden." Er machte eine kleine dramatische Pause. "Ist übrigens ‘ne nette Ansammlung verschiedenster Player in den Schatten und außerhalb dieser. Vom AAA-Megakon über Drachen bis hin zu mir komplett unbekannten Strassenrunnern."
"Hmmm…und hast du irgendeine Idee, wem wir das zu verdanken haben?", fragte ich.
"Ehrlich gesagt nein," erwiderte er unter bedauerndem Kopfschütteln, "aber ich könnte Piko bei Gelegenheit mal drauf ansetzen, wenn das für euch kein Problem darstellt." Ich zuckte mit den Schultern. "Vielleicht sollten wir einfach die Gelegenheit am Schopfe packen und mal schauen, was wir so rausfinden, wenn wir die Daten aus Bubbas Bude mit der Datenbank checken."
"Kein schlechter Gedanke." nickte JD. "Ich werde mal noch die alten und neuen Namen unserer Starspieler mit ins Rennen schicken und dann schauen wir mal." Er drehte sich auf dem Stuhl um und machte sich direkt daran, eine entsprechende Suche zu starten.
"Ich hau mich gleich mal 'ne Runde aufs Ohr, wenn's genehm ist." meldete sich Ator ab und ließ sich der Länge nach auf meine Gästematratze plumpsen.
Jack und ich setzten uns zu Mr. Doe und schauten ihm über die Schulter, wurden dessen aber schnell überdrüssig, da sich für uns nichts wirklich nachvollziehbares auf dem Monitor tat.
"Sag uns bescheid, wenn du was hast, Jay", stöhnte ich, wärend ich dem Ork auf die Schulter klopfte. "Wir knallen uns vorn Trid." Jack deutete mit erhobenem Daumen seine Zustimmung an, entschied sich dann aber für etwas weniger Subtilität, indem er ein dreiviertellautes "Yaaay" hinterherschob und die Fäuste über den Kopf hob wie ein Vierjähriger unterm Weihnachtsbaum.
Nach einer guten Stunde und sechs Dosen Soybier für jeden für uns meldete sich JD mit seinen Erkenntnissen:
Anscheinend hatten Punch und Judy aka Starlight und Topcat tatsächlich vor einigen Jahren recht erfolgreich als Runner gearbeitet, waren dann aber Aztech irgendwie in die Quere gekommen. Möglicherweise hatte das mit dem von Bubba erwähnten "Fehlverhalten" von Slider zu tun. Aztech hatte daraufhin einen seiner Top-Wetworker auf sie angesetzt, einen Kerl namens Kyle Morgan. Angeblich arbeitete dieser seit einigen Jahren exklusiv und hatte während dieser Zeit nur zwei Jobs unerledigt gelassen: der eine hatte mit Maria Mercurial zu tun gehabt, und der andere war wohl der “Starlight und Topcat”-Kontrakt. Nicht wirklich ergiebig, aber zumindest wussten wir jetzt, wieso die beiden untergetaucht waren.
Wir diskutierten noch eine Weile, wie die beiden Fuzzies, die bei Bubba aufgeschlagen waren, mit der Sache in Verbindung standen, kamen aber zu keinem befriedigenden Ergebnis und hauten uns schließlich alle aufs Ohr.

Timecode 06.06.2054 / 13:00:00[Bearbeiten]

Lautes Klopfen an meinem Garagentor ließ mich aus süßen Träumen hochschrecken. Welches Arschloch war verrückt genug, um diese unmögliche Zeit abzunerven? Und wofür bezahlte ich eigentlich die lokale Gang?
Ich warf einen Blick auf den Monitor der kleinen Überwachunsgkamera, die ich vor einigen Wochen hatte anbringen lassen und sah drei Dudes in Anzügen, die geradezu "Mafia" schrien, vor der Garage stehen.
"Probs, Silencio?", fragte Jack, der offensichtlich ebenso wie ich von dem Geklopfe wach geworden war und ebenfalls nicht erbaut schien.
"Glaube nicht, aber kannst mir gern die Rückendeckung machen.", antwortete ich, während ich mich in meine Hose schwang und den durchgeladenen Predator hinten in den Hosenbund steckte.
"Immer gern." Jack grinste und ließ die Finger knacken. Er griff nach seiner Axt und baute sich in freundlicher Trollbarbarenpose hinter mir auf.
Ich positionierte mich links neben dem im Garagentor angebrachten Mannluk und meldete mich mit meiner verstärkten Stimme zu Wort, die ich durch Einbau eines Stimm-Modulators erworben hatte, um mich auch auf Trollrockkonzerten verständlich machen zu können.
"Okay, welches Arschloch weckt mich um diese Zeit? Ich hoffe für dich, du hast 'nen wirklich wichtigen Grund!"
Zufrieden stellte ich über den Monitor fest, daß die drei Typen ordentlich zusammenzuckten. Der Stimmverstärker hatte sich mal wieder bezahlt gemacht. Jack grinste nur breit.
"Mein Name ist Carloni. Ich habe einige wichtige geschäftliche Angelegenheiten mit ihnen zu besprechen.", hörte ich von jenseits des Garagentors. Jetzt gab es keinen Zweifel mehr:
Mafia
Aber was konnten die von mir wollen? Ich schaute einmal fragend zu Jack, der aber auch nur mit den Schultern zuckte, dann öffnete ich die Tür.
"Mr. Silencio?" begann der Mafioso.
"Den Mister kannst du dir sparen. Sag deinen Spruch auf und dann zisch ab. Wir wollten eigentlich gemütlich auspennen.", blaffte ich zurück. Es handelte sich offensichtlich um einen Fußsoldaten, und mit denen musste man entsprechend umgehen, sonst neigten sie zu Selbstüberschätzung, was meist mit blutigen Nasen endete.
"Wie uns zu Ohren gekommen ist, haben Sie und ihre Geschäftspartner", der Mafioso unterbrach sich, um einen Blick auf Jack zu werfen, der noch immer mit erhobener Streitaxt hinter mir stand, "äh, Anstrengungen unternommen, um etwas über die beiden Screamers Punch und Judy in Erfahrung zu bringen. Wir wissen, daß Sie im Auftrag der Yakuza unterwegs sind und möchten keinen unnötigen Tumult veranstalten, daher bitten wir Sie, von ihren Nachforschungen Abstand zu nehmen."
Ich warf einen demonstrativen Blick auf mein Handgelenktelefon."Und deshalb weckt ihr Ärsche uns?", fragte ich scheinbar ungläubig zurück.
"Ich glaube Sie verstehen nicht so ganz, wen wir hier repräsentieren.", hakte Signore Carloni deutlich indigniert nach.
"Harharhar…. der Spaghettifresser glaubt, wir wüssten nicht, daß er zur Mafia gehört." Jack gluckste hinter mir, als hätte er sich darüber amüsiert, wie die drei gerade in Hundehaufen herumwateten, was den Abgesandten der Famiglia vor der Tür ein wenig Gesichtsfarbe nahm.
Innerlich triumphierend konnte ich mir ein breites Grinsen nicht verkneifen. "Wie du siehst, sind wir voll im Bilde." Ich machte eine kleine Geste mit dem Daumen in Richtung Jack und ließ meine nun wieder normallaute Stimme gelangweilt klingen. "Wenn du aber weiter diskutieren willst, geh ich gern aus dem Weg, und du besprichst das mit meinem Chummer mit der Axt."
"Ich glaube, das ist nicht notwendig. Wir haben unsere Botschaft überbracht, Sie haben sie verstanden!" Damit machte Nudel-Man auf dem Absatz kehrt und verschwand mit seinen beiden Muskeln.

"Was war das denn gerade?", wollte Ator wissen, der sich gerade den Schlaf aus den Augen rieb, als wir wieder in den Wohnbereich zurückkehrten.
"Ganz schräge Nummer.", versuchte ich eine Erklärung. "Die Mafia glaubt, wir würden für die Yaks arbeiten und ist der Meinung, wir sollten das sein lassen. Kann sich da einer von euch 'nen Reim drauf machen?" Ich schaute von Ator zu John Doe, aber beide schienen ebenso ratlos wie ich.
"Im Moment läuft hier so einiges schräg, wobei ich mir nicht sicher bin, was wie zusammen gehört." Der bullige Ex-Konzernmann schien sich mit unklaren Verhältnissen nicht anfreunden zu wollen und klang sichtlich genervt. "Erst die beiden Amateurkiller bei Bubba, dann dieser Elementar mit seiner seltsamen Botschaft und jetzt die Mafia. Nicht zu vergessen die Azzies, die ja anscheinend auch noch irgendeine Rolle spielen.", faßte er zusammen, was uns in den letzten 24 Stunden über den Weg gelaufen war.
"Also den Elementar würde ich mal ausklammeren.", erhob Ator Einspruch. "Fragt mich nicht wieso, aber ich hab irgendwie das Gefühl, der hat mit der ganzen Sache nichts zu tun. Aber der Rest… hmmm… und daß das organisierte Verbrechen bei einem Sportevent wie dem Urban Brawl-Endspiel seine Finger mit im Spiel hat sollte hier niemanden wundern, oder?" Er blickte in die Runde, ohne Widerspruch zu erwarten.
"Stimmt schon: wo gewettet wird, sind die Jungs meist nicht weit, aber wir arbeiten doch gar nicht für die Yaks, sondern für Baby Joe persönlich, oder? Silencio?" JD schaute mich mit erhobener linker Augenbraue fragend an.
Ich wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als mein Telefon klingelte.
"Ja?", nahm ich den Anruf entgegen.
"Wir treffen uns im Penumbra, 23.00 Uhr, pünktlich, es ist wichtig!" Ich erkannte die Stimme von Empty Space, dann wurde die Verbindung unterbrochen.
"Scheint so, als hätten wir ‘n Date heute Abend.", klärte ich meine Kollegen auf. "Und vielleicht beantwortet das auch unsere Fragen. Schließlich hat Empty Space mir den Run vermittelt. Wenn einer mehr weiß, dann er.", versuchte ich die fragenden Blicke meiner Chummer zu befriedigen.

Timecode 06.06.2054 / 23:00:00[Bearbeiten]

Wir waren extra etwas früher zum Penumbra gefahren, da ich nicht wegen einer zu erwartenden Schlange von Einlassbegehrenden zu spät kommen wollte. Aber Empty Space hatte wohl vorgesorgt. Als uns einer der Türsteher erblickte, winkte er uns durch den VIP-Eingang durch, ohne auch nur einen Check unserer Bewaffnung vorzunehmen. Und ja, wir waren bewaffnet. Wenn die Mafia ein Auge auf dich geworfen hat, solltest du das sein.
So hatten wir Zeit, uns noch einen Drink zu genehmigen, bevor wir exakt um 23.00 Uhr in einem der Hinterzimmer auf meinen Schieber trafen.
Er eröffnete uns, daß wir nicht nur die Mafia an den Fersen hatten, was nicht wirklich neu für uns war, sondern, daß auch Lone Star gern mal mit uns "reden" wollte. Bubba war heute morgen tot aufgefunden worden und angeblich waren wir die letzten, die ihn lebend gesehen hatten. Wer auch immer das "herausgefunden" hatte.
Wir berichteten ihm von den beiden Dudes, die in Bubbas Wohnung aufgetaucht waren und denen wir die Lichter ausgeknipst hatten, was Empty Space ein wenig überraschte. Dank der Beschreibung die wir lieferten, identifizierte er sie als Stark und Judas, zwei üble Muskeln der untersten Schublade. Allerdings war ihm nichts von deren Ableben bekannt, und da wir die Leichen nicht entsorgt hatten, musste wohl jemand anderes ein Interesse gehabt haben, sie verschwinden zu lassen.
Möglicherweise waren es aber einfach die Barrens, die sie "entsorgt" hatten. Es gab immer irgendwen, der irgendwas gebrauchen konnte und die fleischlichen Reste fielen nicht selten Ghulen zum Opfer, wenn es den wirklich keine Organbank mit Interesse gab.
Einer inneren Eingebung folgend, fragte ich noch nach Kyle Morgan, den wir ja schon so halb und halb mit unseren beiden Starspielern in Verbindung gebracht hatten. Empty Space kannte den Namen. Angeblich arbeitete er seit zehn bis zwölf Jahren exklusiv für Aztech und war einer ihrer besten Männer. Mit dem gut gemeinten Rat, diesem aus dem Weg zu gehen, entließ uns der Schieber schließlich wieder in die noch junge Nacht.

Timecode 06.06.2054 / 23:30:00[Bearbeiten]

Wir hatten das Penumbra gerade verlassen und steuerten meinen Bulldog an, um uns und ihn von der Straße zu bekommen, als wir aus einer dunklen Seitenstraße heraus von einem uns unbekannten Typen angesprochen wurden.
"Auf ein Wort, Gentlemen."
Wir wandten uns in Richtung des Fremden und dank meiner Infrarotsicht sah ich die fünf Muskeln, die sich mehr schlecht als recht im Dunkel hinter dem Fremden zu verstecken suchten.
Ich deutete mit meinen Fingern hinter dem Rücken:"5 voraus, checkt die Dächer!" und wußte, Ator würde diesen Part übernehmen.
"Was gibt’s denn?" erwiderte ich die Ansprache.
Die fünf mit Panzerjacken und Uzis ausgestatteten Muskeln traten aus ihren "Verstecken". Ich überschlug im Kopf den Weg bis zum Bulldog und wusste, wir würden ihn nicht erreichen können. Damit hieß es "die oder wir", und ich hatte nicht die Absicht, das "die" auf irgendeine Art mit der Realität zu verbinden.
"Mir ist zu Ohren gekommen, daß Sie Nachforschungen über zwei Sportler anstellen. Punch und Judy, um genau zu sein. Mein Arbeitgeber würde gern hören, was sie herausgefunden haben. Klären wir das wie Gentlemen oder müssen meine Freunde hier 'ne Party starten?"
In dem Wissen, daß an einer "Party", wie er es nannte, wohl kein Weg vorbeigehen würde, drehte ich mich so langsam wie möglich zu meinen Chummern um.
"Ey, kennt ihr jemanden mit dem Namen?", fragte ich die anderen.
Ator signalisierte mir zwei Leute auf dem Dach und mindestens drei weitere auf der anderen Straßenseite.
"Nö, noch nie gehört.", kam von JD, der mir deutlich zeigte, daß er zum Tanz bereit war.
"Wer is'n der Kaspar überhaupt, daß er uns hier doof anquatscht?", stichelte Jack, während er bereits nach seiner Axt griff. Ich straffte mich innerlich und drehte mich zu dem Unbekannten zurück.
Der Kerl erwies sich als Vollprofi. Er schien bemerkt zu haben, daß ich im Umdrehen meinen Booster aktivierte und warf sich nach rechts hinter einen Müllcontainer in Deckung.
Allerdings hatte ich gar nicht geplant ihn unter Feuer zu nehmen und sprintete Richtung Bulldog.
Ator schleuderte den Muskeln einen Feuerball entgegen. Dann folgte er meinem Beispiel.
JD zog seinen Predator und feuerte in Richtung der Heckenschützen auf dem Dach, aber die Entfernung war für sichere Treffer zu groß.
Mit einem fast triumphierenden "Let’s Party!" schwang Jack seine Axt und schien es ernsthaft auf einen Nahkampf ankommen lassen zu wollen.
Dann wurde die Luft extrem bleihaltig. Die fünf mit Uzis bewaffneten Muskeln waren offensichtlich von Ators Feuerball wenig beeindruckt und schickten uns ein paar Salven hinterher.
Ich spürte, wie eine davon meinen Rücken traf und mich fast zu Fall brachte. Ator schlug Haken wie ein Hase und entging so den Kugeln. JD wurde von einer Salve in die Brust getroffen und ging zu Boden. Ich konnte nur hoffen, daß seine Panzerjacke, wie bei mir, standgehalten hatte. Stehenbleiben hieß sterben, also rannte ich weiter. Ator suchte Schutz zwischen zwei geparkten Wagen.
"Ich will den Zwergen lebend!" hörte ich meinen flinken Gesprächspartner brüllen, wusste aber nicht so recht, ob ich mich darüber freuen sollte.
Plötzlich tauchte Jack neben mir auf.
"Wenn ich an mein MG im Bulldog komme, starten wir hier aber nen richtiges Feuerwerk!", schnaufte er.
Guter Junge! Offensichtlich hatte er eingesehen, daß man nicht mit 'ner Axt zu 'ner Schießerei erschien.
Weitere Kugeln schlugen neben uns im Asphalt ein. Noch knapp 30 Meter bis zum Bulldog…und dem MG.
Eine weitere Salve traf und warf mich zu Boden.
"Die Wichser haben 'nen Drachen als astrale Rückendeckung!" brüllte Ator und mir wurde plötzlich übel.
JD erhob sich zwischen zwei geparkten Autos und feuerte auf die Uziboys. Ich robbte in Deckung und sah, daß Jack nur noch 15 Meter vom Bulldog entfernt war, als eine Salve sein Knie zerschmetterte und ihn zu Boden zwang.
Unsere Überlebenswahrscheinlichkeit sank deutlich und ich dachte kurz darüber nach, die Waffen zu strecken und auf die Professionalität unserer Gegner zu hoffen. Das Geräusch einer schweren Maschine ließ mich aufhorchen. Klang nach Kavallerie, die Frage war welcher Art…

In vollem Tempo raste die schwere Harley Scorpion an mir vorbei und ich erkannte zwei Personen darauf. Während die vordere sich auf die Steuerung der Maschine konzentrierte, feuerte die hintere in schneller Folge eine Reihe von Rauchgranaten aus dem Unterlaufgranatwerfer seines Sturmgewehrs in Richtung unserer Gegner.
"STARLIGHT!", hörte ich ihren Anführer brüllen, dann eröffneten die Firmpoints des Motorrads das Feuer und streckten drei der Uziboys nieder.
Zwei Salven aus dem Sturmgewehr erledigten die Heckenschützen auf dem Dach. Das Blatt wendete sich.
Ich öffnete per Knopfdruck die Türen des Bulldog. JD feuerte in den von den Granaten erzeugten Rauch, während Ator sich Richtung Jack bewegte. Der Kerl mit dem Sturmgewehr sprang vom Motorrad und verschwand im Rauch, während der Granatwerfer des Motorrads für Nachschub sorgte. Mehrere kurze, kontrollierte Salven später lichtete sich der Rauch und von unserer Opposition waren nur noch leblose Reste übrig.

"Sieht so aus, als wären wir gerade rechtzeitig gekommen, Chummer!", eröffnete der Sturmgewehrschütze das Gespräch. "Scheint so, als habe jemand was gegen eure Nachforschungen. Geht uns übrigens ebenso. Erlaubt mir, uns vorzustellen. Ich bin Punch und diese Lady ist Judy."
Eine Vorstellung, die jetzt, wo die beiden ihre Helme abgenommen hatten kaum noch notwendig war.
"Super! Echt spitze euch kennen zu lernen, aber können wir den Smalltalk auf später verschieben? Ich würde gern erstmal hier weg.", entgegnete ich und war in Gedanken bei den Treffern, die Jack und JD eingesteckt hatten.
"Klar, kein Problem. Ihr habt 'nen fahrbahren Untersatz? Wir folgen euch." Gemessen daran, daß die beiden gerade auf offener Straße einen Kleinkrieg hingelegt hatten, waren beide echt entspannt. Brawler halt!
Ich wandte mich Ator und Jack zu. "Wie schaut’s aus?", wollte ich wissen.
Jack zeigte mir den erhobenen Daumen. "Alles Sahne, Ator hat echt heilende Hände."
Manchmal fragte ich mich, wie wir früher ohne magische Unterstützung ausgekommen waren.
"JD? Wie sieht’s bei dir aus?"
"Die Jacke kann ich wegwerfen, aber außer ein paar blauen Flecken wird wohl nichts zurückbleiben.", antwortete der Ork entspannt, nachdem er seine Hand aus der Panzerjacke gezogen hatte und sich kein Blut daran befand. Mir wurde vor Erleichterung fast wieder übel.
"Okay, dann Rückzug!", schnaufte ich im Bemühen, meine Gefühlsäußerungen zu bremsen. "Ab in den Bulldog!"

Timecode 07.06.2054 / 00:25:00[Bearbeiten]

Während der Fahrt hatten wir uns verständigt, die beiden auf keinen Fall zu einer unserer Unterkünfte zu führen, schließlich waren sie irgendwie "Opfer" unseres aktuellen Runs und nur, weil sie uns eben das Leben gerettet hatten, hieß das nicht, daß sie es sich nicht anders überlegen würden. Ich rief also kurz bei Empty Space durch und ließ mir die Adresse eines sicheren Unterschlupfes geben, an dem wir in aller Ruhe mit den beiden sprechen konnten.
Der Unterschlupf erwies sich als nicht sehr komfortabel, aber geeignet. Ein zurückgelassener Container in einem alten Parkhaus tief in den Barrens war mit Sicherheit kein Ort, an dem man die Starspieler der Screamers erwarten würde.
Nachdem wir die Tür hinter uns geschlossen hatten und Ator auf astralem Wachposten war eröffnete Punch das Gespräch:
"Ihr fragt euch bestimmt, wieso wir aufgetaucht sind. Als wir hörten, daß Bubba gegeekt wurde,..." …mir wurde etwas mulmig und ich überschlug im Geiste unsere Chancen gegen zwei Starbrawler. Wenigstens saßen sie nicht auf dem Bike.
" … hörten wir uns ein wenig um und bekamen mit, daß Aztechnology Morgan aktiviert hat, um sich um die Dinge hier zu kümmern. Wir hefteten uns an seine Fersen und stießen so auf euch."
Innerlich atmete ich aus. Sie waren also nicht hier, um ihren ehemaligen Chummer zu rächen. Auch wenn wir nicht schuld an seinem Tod waren, hätten die beiden durchaus auf diese Idee kommen können.
"Ihr wisst, daß der Kerl für die Azzies arbeitet, oder?", hakte der Ex-Runner nach. "Und er ist hinter euch her, weil ihr hinter uns her seid. Wir haben euch den Arsch gerettet, also seid uns nicht böse, wenn wir gern wissen würden, warum ihr Nachforschungen über uns betreibt und wer euch dafür bezahlt." Mein Blick wandte sich zu JD, der mit einem kurzen Nicken sein Einverständnis gab. Jack streckte mir als Zeichen der Zustimmung den rechten Daumen entgegen. Ator konnte ich nicht fragen, aber es war eine Mehrheitsentscheidung gefällt worden, die notwendig war, denn normalerweise sprach ein Runner nicht über seinen Auftraggeber.
"Okay, ich sehe, wir sind euch was schuldig. Ja, wir haben ein paar Erkundigungen über euch eingeholt und wir haben unter anderem auch mit Bubba gesprochen, aber wir haben nichts mit seinem Ableben zu tun. Baby Joe hat uns beauftragt. Sein Hintergrundcheck lief wohl ins Leere und scheint ja so, als dass es dafür gute Gründe gäbe."
"Baby Joe!?", platzte aus Judy heraus. "Das kann ich nicht glauben! Warum sollte er?"
“Ligaroutine? Ihr seid schließlich kurz davor, die Meisterschaft zu gewinnen”, schlug Jack vor.
"Hmm, kann sein.", lenkte Punch ein. "Scheiße, Judy, wir hätten damit rechnen müssen. Schließlich sind wir zwei lose Enden."
Sowas in der Art hatte ich mir mittlerweile auch zusammengereimt und mich gefragt, ob wir, was die Bezahlung für diesen Job anging, nicht deutlich unterbezahlt wurden.
"Nichts für ungut, Jungs", unterbrach Punch meinen Gedankengang,"Wir werden uns dünne machen. Tut uns und euch den Gefallen und stellt eure Nachforschungen ein. Mit Morgan ist nicht zu scherzen. Er arbeitet seit Jahren zusammen mit 'nem Drachen namenes Perianwyr exklusiv für die Azzies. Er hat damals, als wir die Schatten verließen unser Team ausgelöscht. Außer Bubba und uns mussten alle dran glauben. Bubba hat er jetzt gekriegt und wenn mich nicht alles täuscht, sind wir die nächsten auf seiner Liste. Das Letzte was wir von ihm gehört haben, war irgendwelcher Dreck mit Perfekto Polymers und Maria Mercurial, aber das ist jetzt auch schon wieder ein paar Jahre her."
Ich wusste nicht genau, was ich darauf erwidern sollte, schließlich hatten die beiden uns gerade den Arsch gerettet, und wirklich Lust auf eine weitere Auseinandersetzung mit Morgan hatte wohl keiner von uns. Also nickte ich nur und bot den beiden meine Hand zum Abschied.

"Okay,", eröffnete JD das Gespräch, kaum daß die beiden Brawler verschwunden waren, "wie verhalten wir uns jetzt weiter?"
"Was'n das für 'ne blöde Frage?" empörte sich Jack und auch Ator schien verwundert. "Wir ziehen den Job durch!", erwiderte der Alligatorschamane.
Ich legte den Kopf leicht schief und schaute beide an. Irgendwie hatte ich das Gefühl, daß Jack und Ator nicht einer Meinung waren. "Das's nich dein Ernst, Zauberkugel! Du willst die beiden echt ans Messer liefern?" Jack war offensichtlich verärgert.
"Ich will meinen Job zuende bringen. Oder gibt's da andere Meinungen?" Ator schien überrascht.
"Naja, ich für meinen Teil habe ein Problem damit und großartige Ausgaben hatten wir noch nicht. Vielleicht sollten wir abstimmen…", gab ich zu bedenken.
"Abstimmen? Was soll der Scheiß? Wir sind Profis, wir haben 'nen Job angenommen und wir werden den zuende bringen. Da gibt es nichts abzustimmen." Ator schien alles andere als angetan von der Idee.
JD hob beschwichtigend die Hände. "Alter, beruhig dich. Du hast ja Recht, aber ohne die beiden wären wir tote Profis … oder siehst du das anders? Und was den Job angeht: laßt uns Baby Joe kontaktieren und ihm 'nen groben Überblick geben. Das sind wir ihm schuldig. Aber ich bin nicht bereit, mich für VIP-Tickets mit 'nem Azziekiller und seinem Privatdrachen anzulegen."
Manchmal fand JD einfach die richtigen Worte, und in diesem Fall war es wohl das Wort "Privatdrachen".
Ator lenkte ein, und ich versprach, seine Rechnung in der Sports Bar zu übernehmen, in der wir uns das Endspiel angucken würden.

Timecode 10.06.2054 / 16:07:30[Bearbeiten]

Wie beschlossen hatten wir Baby Joe am Abend vor dem Endspiel getroffen. Er war total ausgeflippt und hatte uns erst zur Sau gemacht, weil wir Punch und Judy von ihm berichtet hatten, um dann die Frechheit zu besitzen, uns trotzdem nach den Ergebnissen unserer Nachforschungen zu fragen. Selbst Ator hatte ihm die kalte Schulter gezeigt, und so hatte er nichts von unserern Erkenntnissen erfahren.
Der Endpspielabend selbst hatte in der Sports Bar begonnen und in einer Party geendet, die mich annähernd fünfunddreißig Stunden wach gehalten hatte.
Ich rieb meinen Schädel und versuchte mich zu erinnern, wer eigentlich gewonnen hatte, aber es wollte mir ums Verrecken nicht einfallen, aber wozu gab’s schließlich NewsNet?

"Während des am Donnerstag in Redmond stattgefundenen Urban Brawl Spieles verloren die Seattle Screamers ihre beiden Topspieler Punch und Judy. Nach dem, von ISSV-Offiziellen als Urban Brawl Massaker bezeichneten, Super Brawl wurden nicht nur die Leichen der beiden Starspieler, sondern auch die von zehn Mitgliedern der New York Slashers gefunden."

Scheiße!!! Was war da abgegangen? Ich überflog den Rest des Artikels. Letzendlich inhaltslos. Trotz dutzenden von Kameradrohnen keine verwertbaren Aufnahmen von auch nur einer der Tötungen. Das Spiel war für ungültig erklärt worden. Am nächsten Morgen hatte man Baby Joe tot nahe des Spielfeldes gefunden. Die Besitzer der Screamers waren für einen Kommentar nicht zu erreichen… das übliche Blabla.

Mir wurde kalt. Morgan hatte seinen Job zuende gebracht, dessen war ich mir sicher. Und so wie er es durchgezogen hatte, musste ich besser vorbereitet sein, wenn ich ihn das nächste Mal treffen würde….


Fortsetzung[Bearbeiten]

Die Fortsetzung der Story um die Runner findet sich unter Memoiren eines Lichtträgers / Eye Witness / Menschen, Ghule und Geister

Quellen[Bearbeiten]

Die geschilderten Geschehnisse beruhen auf den Erlebnissen der SC-Gruppe von Benutzer Goronagee. Neben den oben genannten Romanen und Abenteuern fanden folgende Sourcebooks Verwendung:

Liste der Sourcebooks:

Quellendetails[Bearbeiten]


^[1] - Dies kommt so in A Killing Glare nicht vor und ist eine reine Eigenerfindung von Benutzer:Goronagee.
^[2] - Dieser Gegenstand und die Art seines Erscheinens gehört ebenfalls nicht zum Abenteuer A Killing Glare, sondern zum Lichtträger-Metaplot von Benutzer "Goronagee".