Memoiren eines Lichtträgers / Pfui Spinne

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Bei den folgenden Texten handelt es sich um das Tagebuch des Runners Silencio, aus dem später die Aufzeichnungen des Teams Bulletproof wurden, welches schließlich den Orden der Lichtträger neu gründete.
Jedes initiierte Mitglied der Lichtträger erhält ein Exemplar dieser Aufzeichnungen unter der Auflage es nicht an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen, dennoch erschienen Ende 2075 erste Teile der Aufzeichnungen in verschiedenen Data Havens. Ob es sich um Verrat oder eine Art von Rekrutierungsflyer der Lichtträger handelt ist bislang unbekannt.
Der aktuelle Stand der Veröffentlichung hier, entspricht dem Stand der Veröffentlichung ingame vom 15.10.2076.

Bisher erschienene Kapitel:

Achtung Spoiler! SPOILERWARNUNG! Achtung Spoiler!
Dieser Text kann Informationen enthalten durch die der "Genuss" folgender Romane und Abenteuer eingeschränkt wird:

Romane:

Abenteuer:

MEL28: Pfui Spinne Part 1 / Akquise[Bearbeiten]

Timecode 02-12-2054-21:00:00[Bearbeiten]

Inzwischen war Adventszeit, und Downtown sah aus wie ein riesiger Weihnachtsbaum. Nicht daß das irgendwas an meiner Laune geändert hätte, denn was auch immer man vom Westküstenklima erwartet – manche Tage scheinen einen verarschen zu wollen. Wetter, Verkehrslage, Befindlichkeiten der Mitglieder der verschiedenen Sicherheitsfirmen … immer exakt das Gegenteil dessen, was man ertragen kann. Da hilft es eigentlich nur, sich zu verkriechen, ein wenig Mercurial (wenn man eine Muschi ist) oder Slasher Dots (wenn man Trollrock mag, so wie ich) durch die eigenen Gehörgänge zu jagen und ansonsten die Verrückten draußen verrückt sein zu lassen. Dass das aber nur ein Vorgeschmack auf die Dinge war, die auf uns zurollten, hätte mir eigentlich klar sein können. Denn einen Lottogewinn bekommen nur Schlipsträger auf dem Silbertablett serviert.

Abends rief Leonora an und flüsterte viel zu leise aber viel zu schnell in meinen Komhörer, daß sie uns alle DRINGEND im „Nosferatu“ treffen müsste. Ja, es klang dringend, also schnappte ich mir meinen unauffälligen Seelenverkäufer, einen notdürftig auf E-Antrieb umgerüsteten Chrysler, und zuckelte in unseren Lieblingsclub. Der war bereits kurz vor 23:00 laut wie immer, bevölkert wie immer und diskret wie immer, wenn es um vertrauliche Gespräche ging. Auf mein Klingeln öffnete Rico, seines Amtes großer und kräftiger Türsteher, den einem altertümlichen Kirchentor nachempfundenen Eingang. Nomen muss ja schließlich auch Omen sein, und wer einem Club diesen Namen gibt, der sollte ein wenig auf das passende Ambiente achten. Natürlich war jeder vermeintliche Dekoartikel in irgendeiner Weise an das Sicherheitssystem des „Nosferatu“ angeschlossen, und auch das so alt und wacklig aussehende Tor wurde ganz klar nicht zufällig von einem wirklich großen und kräftigen Türsteher bedient. Dessen etwas veraltete Kunstmuskeln verursachten übrigens laut Leonoras Aussage ob der Anstrengung beim Bewegen des Panzertores jedesmal leise klagende, zischende Geräusche. In dieser Hinsicht glaubte ich ihr jedes Wort, denn ihre mit haufenweise Ki aufgepeppten Sinne konnten selbst gegen den aufbrandenden Hintergrundlärm, der beim Öffnen der Tür mit ins Freie drang, ziemlich feine Unterschiede hören.
Rico (hatte ich bereits erwähnt, dass er groß und kräftig war?) sah also betont geradeaus, dann nach links und nach rechts und brüllte dann: „KOMISCH, ICH DACHTE, HIER HÄTTE JEMAND GEKLINGELT! ABER HIER IS JA GAR KEINER!“ Den Witz hätte er sich sparen können, denn selbst wenn Flip der Grashüpfer hier gesessen hätte, hätten es die Türscanner früher als Flip selbst mitbekommen. Ich tat also, was ich gerne in solchen Situationen tat: mit dem linken Stiefel ausholen und dann mit Schmackes gegen sein rechtes Schienbein treten. Leider war Rico nur halb so dumm wie er aussah… na ja: ein Drittel. Denn seine Tarnung als dümmlicher Türbeweger war fast perfekt. Zumindest aber so gut, dass ich erst in dem Moment, als ich den metallischen Klang hörte und das plötzliche Taubheitsgefühl im linken Unterschenkel registrierte, auf den Gedanken kam, dass er meine Reaktion offenbar vorausgeahnt hatte. In diesem Fall war wohl eine zusätzliche Panzerplatte in seinem Stiefelschaft der Grund dafür, dass mir eine kostenlose Runde „Durch den Club humpeln und ausgelacht werden“ spendiert wurde.
Ich unterdrückte einen Aufschrei und versuchte vorsichtig, mein linkes Bein in normale Standposition zu bekommen. Rico blickte auf mich herab, brüllte „ACH, DA IS JA DOCH EINER!!! DESWEGEN RIECHTS HIER SO NACH WURZEL!!!!!“ und grinste breit übers grobschlächtige Gesicht. Dann bückte er sich und flüsterte wesentlich kontrollierter, als man es ihm abnehmen würde, wenn man ihn nicht kennt: „Hey, sorry, Chummer, aber ich wollte unbedingt wissen, ob die Schienen halten, was mir der Schieber versprochen hat. Und du warst ohne Scheiß der Erste, dem ich zugetraut hab, dass er nicht aus falscher Rücksichtnahme lieb zu mir ist. Aber jetzt sei ein Ma… äh, ein Zwerg und humpel nach Verlies 3. Leon und die anderen sind schon da.“ Er klopfte mir noch auf die Schulter und schob mich in den Club. Virginia, die Garderobeuse, schielte über ihren Tresen und hob fragend eine Augenbraue. Ich schüttelte den Kopf, womit unsere übliche Konversation („Willst du mir diesmal deinen Mantel geben, Monsieur?“ – „Nein, lieber nicht. Hat mir mein Arzt verboten. Ich hab doch Blei-Allergie, Schatz.“) für heute auch abgehandelt war.

Als ich den Besprechungsraum betrat, wurde ich bereits ungeduldig erwartet. Dust saß wie immer bewegungslos und unbeteiligt auf einem Stuhl, der verzweifelt versuchte, trotz der auf ihm lastenden Menge an Hardware keine Strukturschwäche zu zeigen. Bei ihr äußerte sich die Ungeduld in dem einen Blick, den sie mir zuwarf, und der zeigte, daß sie bereits genervt war. Ator hatte sich offenbar eine Haut mit eingebauten Tranqpatches umgewickelt. Man würde ihn wohl erst anstupsen müssen, damit er an der Besprechung teilnehmen könnte. Neben ihm saß John Doe, der Ork und Security-Spezialist des Teams. Mit ihm schien ohnehin seit einiger Zeit irgendetwas nicht zu stimmen. Im Gegensatz zu sonst sehr wortkarg, sehr lese-und recherchewütig und abweisender als eine Ölplane. Er studierte irgendetwas auf dem Display seines neuen MicroDecks. Er blickte nicht einmal auf, als ich hereinkam, langte aber dann wortlos neben sich und stupste den Krokomanten an.

Was die drei anderen an Bewegungen und Sauerstoffumsatz einsparten, wurde allerdings mühelos durch Leonora wieder vernichtet, die wild gestikulierend im Raum herumrannte und ihre wahnsinnig anmutenden Zukunftspläne teilweise auf Turbo-Italienisch auf die Anwesenden eindreschen ließ. Auch sie zeigte keinerlei Verhaltensänderung, die darauf schließen ließ, dass sie mein Eintreten bemerkt hätte. Sie quirlte weiterhin Luft und turbowasserfallte von einem Gleitdrachen mit E-Motor, der sie überall hinbringen könnte und der wirklich nützlich wäre und und und. Ich erinnerte mich schwach, dass so ein Gerät um die 200 Kilo wiegen müßte und dass ihre eher schmächtige Gestalt da ganz klar ein Kräfteveto einlegen würde, sollte sie es ernsthaft versuchen, damit irgendwo aufzutrumpfen. Sie war für eine Norm allenfalls durchschnittlich groß und nicht wirklich breit gebaut. Aber wer sich als Meuchelmörder in den Diensten der Camorra nur wie ein laufendes und sprechendes Scharfschützengewehr benehmen muss, braucht auch keine Troll-Unterhosen. Wer den Gleiter spazierentragen will, schon.

Ich fand es allerdings wirklich nicht nett, dass ich so ignoriert wurde. Okay, als Zwerg mit 1,12m muß man sich schon ab und zu damit abfinden, auf einem Trollrock-Konzert zu besonderen Tricks greifen zu müssen, um überhaupt etwas anderes zu Gesicht zu bekommen als Oberschenkelrückseiten. Von der Geruchsbelästigung durch – nach Troll-Maßstäben – bodennahe Furzschwaden will ich gar nicht erst anfangen. Aber das war jetzt nicht Thema. Um also klarzumachen, dass ich die Bühne des Abends betrat, kickte ich die Tür etwas heftiger hinter mir ins Schloß als nötig, worauf den Anwesenden nicht nur die von der guten Türdichtung erzeugte Druckwelle auf die Ohren schlug, sondern auch der nervende Warnton, den die in den Besprechungstisch integrierte Überwachungsautomatik lieferte.

„Ah, du bist auch da… Mamma mia, das müßt ihr euch anhören,…“ wechselte Leonora fast übergangslos das Thema. John hob seine Augen vom Display, und auch Ator schien aufgewacht zu sein, denn er winkte mir mit zwei Fingern und andeutungsweise lächelnd zu.

„Ich war heute bei … einer Connection. Ich wollte etwas besorgen“, ereiferte sich die Italienerin weiter. Hm … ich ging aus irgendeinem nicht wirklich schlüssigen Grund davon aus, dass die DRINGENDE Besprechung hiermit eröffnet war. „Und ihr glaubt es nicht, ich kam zu spät. Wozu? Naja, … der Mensch verkauft wichtige Dinge … Waffen, Munition … sowas eben. Das Salz in der Suppe. Das lagert man nicht im Kleiderschrank. Er hat da eine Lagerhalle. Aber als ich da ankam, waren alle seine Jungs tot. Da laufen sonst immer drei, vier Leute Patrouille… aber niente… c’erano solo cadaveri dappertutto. Könnt ihr euch das imaginieren?“ John unterbrach sie gewohnt präzise: „Hä?“
„Ah, scusi, ich meinte, ich meinte, alle waren tot“, stotterte Leon. “Überall lagen nur die Leichen der Dudes rum, die sonst immer dafür sorgen, dass niemand zu Schaden kommt. Da wurde ich natürlich vorsichtig und schlich mich näher. Als ich schon fast da war, hörte ich die Stimmen von drei Leuten, davon war einer ein Troll. Ich versteckte mich hinter einem Kistenstapel, und dann sah ich aus dem Büro meines Schiebers die Jungs rauskommen. Ein ziemlich großer Troll und zwei Menschen. Alle in so rot-blaue Klamotten gepackt und Glatze. Und, ach ja, … am Hinterkopf ein Tattoo in Form einer Spinne. Als sie weg waren, schlich ich mich in das Büro, in dem ich mich mit Fr… meiner Connection hätte treffen sollen. Er war auch da – größtenteils. Die Schweine hatten ihm einen Arm abgehackt, und den haben sie wohl auch mitgenommen. Er war bewußtlos und lag in seinem Blut.

Und dann war da noch der Koffer. Stand in der Ecke. Ein normaler Metallkoffer mit einem Aufkleber drauf: ‚Leonora‘. Der war ganz offensichtlich für mich. Also hab ich ihn aufgemacht. Es war Geld drin und dieser Zettel…“ sie wedelte mit einem Stückchen Papier und las dann davon ab, „mit der Aufschrift ‚SHP4D701000412‘. Was auch immer das heißen mag. Ich denke, ich werd mal einen meiner findigen Köpfe drauf ansetzen. Das ist eine Botschaft für mich … für uns … egal. Aber das müssen wir irgendwie hinbekommen. In diesem speziellen Fall also würde ich gern eure Arbeitskraft in Anspruch nehmen und quasi gruppenintern den Auftrag vergeben, herauszufinden, wer diese Spinner …“ sie unterbrach sich, eine grimmige Miene ziehend, „haha, ein Wortwitz – ich lach mich schief… also wer diese Wichser sind und was zur heiligen Maria die dazu animiert hat, meinen Lieblingsschieber zu entarmen. Ich nehme das persönlich und werde denen mal ein wenig den Marsch blasen. Aber dazu muß ich wissen, wohin ich zielen muß. Ich hab auch Geld für euch… keine Sorge. Im Koffer waren fünf Credsticks per 20k¥. Da das Geld ohnehin für uns bestimmt war, reich ich es jetzt so an euch weiter. Also: 20.000 für jeden, der mitmacht. Wer ist dabei?“

Dust und John Doe machten kleine, zustimmende Handbewegungen, Ator grinste sein Kroko-Lächeln – wie immer, wenn es danach aussah, als würde er viel Geld für wenig Tat einsacken können. Ich nickte, um klarzustellen, dass ich mich ebenfalls an der Arbeit beteiligen würde. „Okay – heute gibt’s also mal dein Spiel. Aber wir machen uns dann schon mal auf’n Weg. Was dagegen?“ knurrte ich. Ihre hektische Art hatte schon so manches Mal für schwierige Situationen gesorgt, und ich wollte nicht zu lange hierbleiben, um noch Zeuge der durch ihr Verhalten zu erwartenden Verkomplizierungen der allgemeinen Situation zu werden.

„Wartet mal, Leute,“ meldete sich John noch einmal zu Wort. Er beendete die Tipperei auf seinem Gerät und drehte uns dann das Display zu. „Leonora, sind das eventuell die hier?“ Auf dem kleinen Bildschirm sahen wir ein Video einer Überwachungskamera, das ein ziemlich unangenehmes Szenario zeigte. In einem Raum, der stark nach einer provisorischen Kantine aussah, drängten sich vielerlei Gestalten, meistens Squatter oder solche auf dem Weg dahin, um eine Theke, hinter der eine Frau offenbar warme Suppe oder ähnliches verteilte. Plötzlich flogen Stühle und andere Teile, möglicherweise von Türen, durch die Gegend, und drei Personen betraten den Raum. Ein Troll und zwei Menschen. Sie begannen ohne Umschweife damit, ein Blutbad anzurichten, indem sie scheinbar wahllos mit ihren diversen Nahkampfwaffen auf die versammelten Menschen einhackten, -stachen, -hauten oder ähnliches. Der Troll war hierbei der Hauptverursacher der Verstümmelungen, da seine Streitaxt auf Trollgröße ausgelegt war und daher den größten Anteil an abgetrennten Körperteilen verursachte. Die Bediensteten der Suppenküche hatten Deckung hinter allem möglichen gesucht, und wie durch ein Wunder blieben in diesem Chaos alle Samariter unverletzt. Allerdings wurde sehr schnell klar, dass die Abteilung „Wunder“ hier nicht eingegriffen hatte, denn die drei Angreifer schnappten sich die Suppenköche und –verteiler, banden sie aneinander und schleppten sie aus dem Bereich der Kamera. Zurück blieben Tote, Sterbende und Verwundete, um die sich niemals jemand kümmern würde, weil niemanden interessiert, was aus den Menschen und Metamenschen am Rand der Gesellschaft wird.

Auf der Aufnahme waren die Spinnentattoos auf den kahlrasierten glänzenden Köpfen der Verursacher des Massakers immer wieder deutlich zu sehen gewesen, und jedesmal, wenn einer der Angreifer besonders deutlich zu erkennen war, nickte Leonora und flüsterte „Ja, das sind sie …ja. Was tun die da?? Diese Schweine!“ In hilfloser Wut hieb sie mit der Faust auf den Tisch, so daß das MicroDeck hüpfte.
„Interessant, nicht?“, nickte John, während er das Gerät wieder geraderückte. „Es gibt mehrere dieser Videos. Diese Aufnahmen sind ziemlich genau zwanzig Monate alt“, er stockte kurz, als sei ihm etwas eingefallen, schien sich dann aber wieder zu konzentrieren, „…und zeigen immer dasselbe Schema: dieselben drei Heinis entern eine Suppenküche der Universellen Bruderschaft, und auch wirklich ausschließlich eine der UB, stellen den Geeken-Zähler auf ‚hoch‘ und entführen danach die immer unverletzt gebliebene Mannschaft. Erstaunlicherweise sind diese Handvoll Videos erst seit einigen Tagen überall im ShadowNet verfügbar, nachdem sie ein ganzes Jahr lang und noch ein dreiviertel dazu unter dem Deckel gehalten wurden. Mir kam deine Schilderung doch gleich komisch vor. Ich bin da auch vorgestern drauf gestoßen, als ich etwas anderes gesucht hab, aber das Muster hier ist sehr starr. Immer dieselben Täter. Immer die gleichen Opfer. Immer dasselbe Vorgehen. Und dann das plötzliche massierte Auftreten eigentlich längst veralteter Videos. Die hier sind fast zwei Jahre alt. Das wäre normalerweise ein Revenge-Leak, wenn wir das mal beim Namen nennen, aber hier gehts ja um die UB. Wir wissen ja nun, was wir von denen zu halten haben … aber aus welchem Grund sollte jemand versuchen, Insektengeister oder deren Anwärter zu sammeln?“ Nach einer kurzen Pause murmelte er „Als ob das alles nicht schon beschissen genug laufen würde…“

Ich mischte mich wieder ein. „Leute, wir haben allesamt unsere Informationsquellen. Manche muss man mit Nuyen ölen, manche nicht. Aber ich kann kaum glauben, daß man überhaupt nichts über diese Freaks herausbekommen kann. Wer so auffällig ist, fällt auf,“ – an dieser Stelle warf mir Dust einen Blick zu, der mir verdächtig danach aussah, als würde sie gerade nach dem Namen einer Tierart suchen, die es in Puncto Blödheit mit mir aufnehmen könnte, und müsste gerade im Kapitel ‚Einzeller‘ blättern – „und man erinnert sich an ihn. Ich denke, ich mach mich erstmal aufn Weg und klapper meine Ressourcen ab. Ihr könntet ja ähnliches tun. Es ist gerade mal Mitternacht, also ist die Chance, dass ihr alle erreicht, nicht schlecht.“

So packte ich also meinen Mantel und drängte mich aus der Tür des Besprechungsraumes, um in die laute und hektische Clubatmosphäre einzutauchen, an deren anderem Ende ich den Ausgang und mein verrostetes Vehikel wusste. Ich war gerade erst einige Meter weit gekommen, als ich bermerkte, daß Dust und John zu mir aufgeschlossen hatten und mich flankierten. „Oh, … na, Mädels, ihr habts auch eilig, was?“, grinste ich sie an.
Dust war sichtlich genervt. „Zum Geier“, zischte sie. „Wenn die mal den Löffel abgibt, muss man noch ’nen Gurt 5,56 verballern, damit die Fresse dann auch endlich ruhig ist. Wie haltet ihr das nur aus?“
John hingegen reagierte gar nicht. Er wollte offenbar nur zurück in die Behausung, die ich mir mit ihm teilte und strebte noch schneller als wir beide dem Ausgang entgegen. „Ich… ich weiß es auch nicht so genau“, quetschte er halbherzig hervor.
Ich zögerte ein wenig und begann, in meinem Gehirn zu kramen, um ein möglichst öffentlichkeitswirksames Statement zusammenzupuzzlen, scheiterte aber grandios. Und wenn man nichts zu sagen hat, sollte man doch besser schweigen. Oder so. Hat mal ein alter Grieche gesagt. Oder so.

Als wir beim Verlassen des Clubs noch an Rico vorbeiliefen, schmiß er sich breit grinsend übertrieben genau in militärische Pose und salutierte. Dabei brüllte er in ebenfalls übertrieben zackigem Tonfall „WÜNSCHE EINEN WEITERHIN ANGENEHMEN ABEND, MA’AM! UND GUTE ERHOLUNG, SIR!!“
„Hö?“ Dust sah mich von der Seite an. „Was hat’n der?“
„Frag nich“, knurrte ich. „Irgendwann verklopp ich ihn, wenn er morgens allein nach hause geht.“

MeL 29: Pfui Spinne Part 2 / Verlust[Bearbeiten]

Timecode 03.12.2054 / 03:15:00[Bearbeiten]

Nachdem wir uns im „Nosferatu“ darauf verständigt hatten, unsere Connections abzuklappern, waren wir alle einigermaßen beschäftigt gewesen. Um Mißverständnisse und Timingprobleme zu vermeiden, hatte ich mich mit Dust verabredet, um Ergebnisse face2face auszutauschen, bevor wir weiteres dummes Zeug planten, und hatte ihr meinen Drittschlüssel rübergeworfen. Okay, JD war in letzter Zeit wirklich etwas sehr wortkarg gewesen, wenn man seinen sonst sehr locker vorgetragenen trockenen Humor kannte, aber mir war die ganze Zeit nicht klar gewesen, dass bei ihm wirklich etwas nicht in Ordnung gewesen sein konnte. Es wäre jedenfalls eine deutliche Überraschung für mich gewesen, hätte mir jetzt jemand versichert, dass es zu Renrakus Standardvorgehen gehört, bei auftauchenden Schwierigkeiten bei Recherchevorgängen den Mitarbeitern Harakiri zu verordnen oder zumindest einen Marktbesuch mit Sprengstoffgürtel anzuregen. Ich jedenfalls für meinen Teil gehe normalerweise nicht davon aus, im Zuge relativ harmloser Nachfragereien bei Straßenconnections hingerichtet zu werden. Die mir dann von Dust gereichte Folie, die ich immer noch staunend in der Hand hielt, war ein gutes Indiz dafür, dass ich nicht weit genug gedacht hatte. Ich las den Text ein drittes Mal. Aber immer noch konnte ich nur dieselben sinnlos erscheinenden Buchstaben sehen:

Shadowtalk Pfeil.png Hi,
sollte ich nicht bis spätestens 1400, 0312 wieder im Quartier sein, dann öffnet bitte gemeinsam den Koffer und tut das, was sich aus Durchsicht der darin enthaltenen Daten und Gegenstände von selbst ergibt. Ich bedaure die Notwendigkeit dieses Schrittes, aber es ist schon viel zu viel Zeit vergangen, in der viel zu wenig getan wurde und werden konnte, als dass ich es jetzt darauf ankommen lassen könnte, noch eine Sekunde zu zögern. Euch werden diese insgesamt 13 Stunden wenig kratzen, und ich hoffe aufrichtig, es euch selbst erklären zu können. Falls das nicht möglich ist, muss ich euch leider einen Peter zuschieben, dessen Schwärze ich momentan selbst nicht abschätzen kann.
ごめんね。
Shadowtalk Pfeil.png JD

Der erwähnte Koffer war ein normaler Koffer, groß genug, um die Habseligkeiten eines an schnelle Ortswechsel gewohnten Runners aufzunehmen. Ich konnte mir noch nicht ausmalen, wie lange er diesen Schritt bereits geplant hatte. Ich schielte auf mein Zeiteisen, das mir grünlichfahl „03:15“ anzeigte und griff nach meinem Kom, um die anderen beiden zu informieren. Zuerst versuchte ich es bei Leonora, die immer sofort eine Idee hatte, wenn es brannte. Leider bekam ich nur ihre kann-jetzt-nicht-Ansage ins Ohr, so daß ich schließlich mein Glück bei Ator versuchte. Der meldete sich prompt, aber als ich ihm den Zettel vorlas, hörte ich eine Weile nur Schweigen. „Drek“, antwortete er endlich. „Alles klar. Kommt zu mir in die Gaskammer. Ich versuche inzwischen, leon zu erreichen, dann habt ihr das nicht auch noch am Hals.“
Wir griffen Koffer, Nachricht und „leichtes Besteck“ und stürzten uns in die Nacht.

„Und was heißt das da eigentlich?“, fragte leon in die Runde, während sie auf die japanischen Zeichen tippte, die John Doe auf die Folie geschrieben hatte. Sie hatte mich wieder damit erstaunt, nur drei Minuten nach uns in der Gaskammer eingetroffen zu sein. Wie auch immer Ator sie hatte kontaktieren können, es hatte super funktioniert. Aber ich kümmerte mich jetzt nicht weiter darum. Die von ihr angestupste Notiz wippte heftig in meiner Hand. „Oh, ach ja“, murmelte ich. „Das ist nur eine übliche Formulierung des Bedauerns … so ein übliches ‚tut mir leid‘, etwa. Nichts von Signifikanz.“ Ich erhob etwas die Stimme. „Viel schwieriger find ich den Satz, daß er uns möglicherweise etwas zumuten will/muß, von dem er nicht weiß, wie heftig es ist. Das macht mir echt Sorgen. Normalerweise weiß er sehr gut, was er tut. Wir müssen jetzt reagieren. Wenn wir aber nun schon einmal beisammen sind: was habt ihr herausgefunden?“

leon legte den ominösen Code aus dem Koffer, den sie bei ihrem Schieber mitgenommen hatte, ebenfalls auf den Tisch.

SHP4D701000412

„Zuallererst“, begann leon, „dachte ich an eine verschlüsselte Codesequenz, aber dann fielen mir die letzten vier Ziffern auf: 0412“. Ich schaute auf Johns Notiz.

sollte ich nicht bis spätestens 1400, 0312 wieder im Quartier sein

„Stimmt“, entfuhr es mir. „Ein Datum.“

„Genau“, nickte leon. Und „0100“ ist dann möglicherweise eine Uhrzeit. Ich hab meine Connections aus dem Computersektor befragt, und die sagten zuerst was von einer Schließfachanlage, aber dann fanden sie ein Muster, das mit SH und PxDx korreliert: ‚South Harbor – Pier 4, Dock 7′. Wir haben eine Adresse. Leider keinen Plan, was da passiert. Aber das kann man doch mit einer schönen Hafenrundfahrt ändern, oder?“ Sie sprang auf, und ich mußte eingreifen, um vorschnelle Aktionen zu unterbinden.

„Nich‘ so hastig“, bellte ich. „Wir sind noch nicht fertig. Ich war ja auch unterwegs, und ich hab noch was zu den Spidermen. Die Heinzis, die wir in den Videos gesehen haben, waren vorher bei irgendwelchen Gangs oder sonstigen seriösen Vereinen Schuldnerberater oder ähnliches, was bedeutet, daß man sich ‚gern‘ und oft an sie erinnert.“
Warum mir plötzlich ein Situationsflash im Gehirn explodierte, weiß ich selber nicht, aber plötzlich sah ich im Geiste diese Ansprache:
„Guten Tag. Ich bin Ihr Schuldenberater,“ grollte der gepiercte, tätowierte und schwerbewaffnete Ork. „Sie haben Schulden, und ich rate Ihnen, diese am besten gestern zu bezahlen, da ansonsten ihre kleine Hackfresse mit meiner Axt kuschelt. Noch Fragen?“

Ich schüttelte kurz den Kopf und fuhr fort: „Insbesondere ist oder war der Troll ein unter dem Namen ‚Butcher‘ bekannter Eintreiber bei den Yaks – und es ist mir ein Rätsel, wie der da aussteigen konnte.“ Ich zuckte mit den Schultern. „Jedenfalls hat mir jemand geflüstert, die ‚Spidermen‘ hießen nicht umsonst so. Und damit übergebe ich an Ator, den Experten für alles, was man dereinst „übernatürlich“ nannte.“

Der Angesprochene erwachte aus seiner Starre, in der er sich seit Beginn des Meetings zu befinden schien. Er räusperte sich kurz und stieß dann die ihm bekannten Fakten hervor:
„Also … a) die Spidermen sind offenbar von einem Schamanen gegründet worden, der Spinne folgt. Man kann bereits daraus eine Menge ableiten. Zum Beispiel den Umstand, dass sie ein zentrales Hauptquartier haben, mit dem sie ungern umziehen. Oder den, dass wichtige Sachen wie Nahrung gern gehortet werden. Das grenzt die Möglichkeiten des Hauptaufenthaltsortes schon etwas ein.
b) ich hab mir eine Weile lang den Kopf zerbrochen, wieso bei den Überfällen unterm Strich immer nur die wie durch ein Wunder unverletzt gebliebenen Angestellten geraubt werden – insbesondere, wenn man dann bedenkt, daß es unter den Besuchern dieser Einrichtungen horrend viele Opfer gibt. Es trifft fast nur Squatter, also Leute, die generell nicht besonders gesund sind. Jetzt wissen wir, dass die UB ja von den Insekten unterwandert, wenn nicht gar gegründet wurde. Und was brauchen die? Gesunde, unvercyberte Körper. Sozusagen kontrollierter biologischer Anbau. Überflüssig zu erwähnen, dass Leute, die für die UB arbeiten, genau auf dieses Schema passen.
Bliebe noch zu klären, was die Jungs heute so alles veranstalten, denn wie bereits mehrmals erwähnt, sind die Videos alt. Nichtsdestoweniger haben sie alle, d.h. Schamane, Einkaufskolonne und möglicherweise Brutpflegeabteilung auch heute noch Hunger. Sie scheinen also inzwischen eine effizientere Form der Nahrungsbeschaffung entwickelt zu haben, oder zumindest eine, die noch nicht aufgeflogen ist.“ Nach einer kurzen Kunstpause fuhr er fort: „Na ja, sie scheinen zumindest ihre alte Form als Gangschläger nicht ganz vergessen zu haben, wenn man an leons Schieber denkt. Den wollten sie zumindest nicht als Futter mitnehmen. Der scheint ihnen eher aus anderen Gründen vor die Klinge gehüpft zu sein. Welch Gründe ihre Taten lenkten… tja, da muss ich passen.“ Er hob entschuldigend seine Schultern.

Dust kicherte. „Schon gut, Mann. Hellsehen ist immer noch keine Einstellungsvoraussetzung fürs Krokodilhaus.“ Autsch. Dusty, Dusty, das war ein Fettnäpfchen. Ich konnte sehen, daß Ators Gesicht einen leicht grünlichen Ton annahm, und da wir echt gerade wirklich wichtigeres als einen kleinen Zank vor uns hatten, fühlte ich mich genötigt, jetzt zu intervenieren. Bevor der Schamane zu einer scharfen Erwiderung ansetzen konnte, ergriff ich das Wort:

„Miss Rocks, … Sie als langjährige Aztech-Mitarbeiterin sollten doch wissen, dass…“
Dust unterbrach mich erwartet empört: „Hallo? Mein früherer Arbeitgeber heißt ARES MACROTECH, bitteschön!“ Ich bleckte die Zähne.
„Siehste. Genauso geht es einem Alligatorschamanen, wenn man ihn als Krokodil bezeichnet. Das dürfen nur manche Leute – und das auch nur manchmal. Soll heißen: unser Telefonat von vorhin war eins zwischen dir und mir und geht Mr. Gilla nix an. ¿Comprendes?“ Dabei grinste ich Ator derart unverschämt an, daß selbst ein betrunkener Vollidiot verstanden hätte, dass ich in dieser Hinsicht auch mit mir selbst gern mal weniger streng war. Aber ich kannte Ator auch schon ein paar Tage länger und wusste, wie weit ich gehen konnte, ohne ihn wirklich zu verärgern.

„Okay, okay, sorry. War nicht so gemeint“, begann Dust ihre Entschuldigung, aber Ator winkte ab. Für ihn war die Nachricht angekommen. Auf meinen Wink sprach er weiter.

„Was mir nur überhaupt nicht in den Brägen will, ist, warum JD ausgerechnet jetzt auf Solotour geht. Habt ihr bei der letzten Besprechung gemerkt, daß er ständig am Tablet hing? Mir kam es so vor, als hätte er schon vorher mal was von dieser Gang gehört und wollte sich nur versichern, dass die Freaks aus leons Erzählung wirklich die sind, die er schon mal auf’m Schirm hatte… oder immer noch hat.“

Ich nickte unwillkürlich und stellte mit Erschrecken fest, dass die anderen beiden, also leon und Dust, dieselbe Bewegung machten.

Ator holte tief Luft. „Das bedeuteeeeet, …“ er zog das „e“ in die Länge, um uns alle der Reihe nach anzusehen, „dass wir dann jetzt vielleicht einfach mal den Koffer aufmachen könnten, um herauszufinden, was unseren schweigsamen Kollegen denn so bedrückt. Oder wollen wir nur spekulieren, bis es zu spät ist? Ich möchte jedenfalls nicht bis 14 Uhr warten, um dann im Nachhinein herauszufinden, dass wir ihn, wenn wir eine Stunde weniger lange gewartet hätten, noch aus der Kacke hätten ziehen können.“ Sprach’s und drehte den Koffer so herum, dass die Verschlüsse in meine Richtung zeigten.
Oh. Kofferöffnen. Mein Lieblingsspiel.

Den Hauptteil des im Koffer zur Verfügung stehenden Platzes nahm Johns Ausrüstung ein, von der wir schon verschiedene Komponenten in Benutzung gesehen hatten. Ein Wanzenscanner, ein White-Noise-Generator, ein Magschloßknacker, eine kleine Flachtasche mit Spezial-Elektronikwerkzeug, zwei Datenchips, ein Datasniffer mit Glasfaser-Injektoren – der übliche Krempel eines Security- und Technofritzen. Acht Credsticks. Ein Voice-Recorder, eine Puderqaste mit drei verschiedenen Pulversorten. Obenauf ein Brief. Dust schaltete zuerst. „Verdammt“, sagte sie langsam, „das war’s dann wohl finalerweise.“

leon äugte ins Gewirr der Gegenstände, konnte aber nichts gefährliches finden. Ator war versucht, den Koffer astral zu untersuchen, stutzte dann aber wegen des Briefes und nahm ihn mit spitzen Fingern auf. „Deswegen?“ Er schien sich zu fragen, ob sie jetzt hellsehen konnte und schon wusste, was dort geschrieben war.

Ich hatte beim Öffnen des Koffers schon wieder so eine Flash-Eingebung gehabt, die mit einem Sprengsatz zu tun hatte, der uns alle in feuchten Bröckchen an die Wand spratzen würde, und war ob des Ausbleibens der Detonation ein wenig unachtsam gewesen. Daher hatte nicht ich den ersten Blick in den Koffer geworfen. Um das nachzuholen, stellte ich mich auf Zehenspitzen, um den gesamten Kofferinhalt überblicken zu können. Nach einer Sekunde war mir klar, was Miss Rocks gesehen – oder besser: vermisst – hatte. Ich würgte mit matter Stimme ein Wort heraus: „Fuck.“

Leon trat einen Schritt zurück. „Cosa intendi, nano?“ Ihr schwante, dass sie etwas entscheidendes übersehen hatte, und wie so oft, wenn sie angespannt war, wechselte sie unwillkürlich in ihre Heimatsprache. Da ich jedoch fließend Spanisch sprach, konnte ich zumindest erfassen, was sie ausdrücken wollte.

„Ach Leon“, seufzte ich, wobei sich mir ein tadelnder Tonfall in die Stimme mischte, ohne dass ich es beabsichtigt hatte. „Nicht immer ist das, was man sieht, das Problem. Hier ist ganz eindeutig das, was man nicht sieht, worum ich mir jetzt echt einen Haufen Sorgen mache.“ Zur Verdeutlichung zielte ich mit dem Zeigefinger auf leon und machte „pew“. Deren Augen weiteten sich. „Merda.“ Jetzt war auch ihr klargeworden, dass John sich auf einer Mission befand, bei der er nicht mehr damit rechnete, lebend zurückzukommen.

Äh“, machte sich Ator bemerkbar, der inzwischen den Brief überflogen hatte, „das les‘ ich jetzt einfach mal vor. Das erklärt nämlich so ziemlich alles. Hinsetzen und festhalten:

Shadowtalk Pfeil.png Hi,
wenn ihr das hier lest, bin ich offensichtlich nicht in der Lage gewesen, etwas substanzielles über den Verbleib meiner Schwester herauszufinden und mich dabei so flach zu halten, dass ich es bis zurück zu euch geschafft hätte. Für diesen Fall hab ich vorgesorgt. Die Datenchips sind für euch. Der eine enthält ein Dossier über eine Renraku-Angestellte mit dem Namen „Janet Brody“ – meine Schwester. Sie wird seit dem 24. März 2053 um 16:53 vermisst, als während eines ehrenamtlichen Einsatzes in einer Suppenküche der Universellen Bruderschaft die Einrichtung von unbekannten Kriminellen gestürmt, die Belegschaft entführt und unter den anwesenden Hilfsbedürftigen ein Massaker angerichtet wurde. Dieselben Kriminellen, die gestern leons Schieber verstümmelt haben. Der andere enthält alles, was ich über die Spidermen finden konnte. Es ist nicht viel, aber ich hoffe, ich kann euch damit den Frust ersparen, den man unweigerlich ansammelt, wenn man etwas wirklich finden will und niemand eine Ahnung zu haben scheint, wo das Gesuchte versteckt ist.
Ich weiß, ihr seid Runner und arbeitet für Geld. Im Koffer sind acht Credsticks. Gerecht aufteilen. Das gilt auch und gerade für den Herrn Alligatorschamanen. In deutlichen Worten: jeder bekommt exakt gleich viel Nuyen, klar?
Findet sie, oder findet ihre Mörder, oder findet heraus, was warum passiert ist.
Wir sehen uns auf der anderen Seite,
Shadowtalk Pfeil.png MaxJDBrody.

Ich musste es einfach wiederholen. „Fuck“.


Zwei Stunden später schaltete ich das Gerät aus, mit dem ich den Chip durchforstet hatte. Inzwischen war ich hundemüde. Es ging auf 0630 zu und für mich war der Abend echt lang gewesen. Dafür wusste ich jetzt bescheid. So weit man das sagen konnte.

Die Spidermen waren zahlenmäßig eine eher kleinere Gang – die Daten sagten etwas im Umfang von ca. 40 Personen – eine eher niedlich zu nennende Mitgliederzahl verglichen mit den großen Gangs oder den Triaden, Yaks oder Mafia-Splitter. Sie waren im ganzen Sprawl mit „Schuldentilgungsvorschlägen“ und „unterstützenden Motivationstrainingseinheiten“ aktiv und hatten damit ein erheblich größeres Einzugsgebiet als die normalen sehr lokal und auch territorial agierenden Straßenbanden. Interessanterweise schienen die Hood-Gangs entweder an der Wahrung ihrer Kiezgrenzen nicht besonders interessiert, oder die Spidermen schafften es immer wieder, durch die Netze der Aufpasser zu schlüpfen. Netze. Haha. Verstehste? Oh Mann, ich war wirklich müde.

Immerhin bestätige der Chip mir, daß der große Troll – Butcher – wirklich ein Geldeintreiber bei der Yakuza gewesen war. Er war es auch, der in den Audio- und Textdateien besonders oft auftauchte. John schien, so wie die Dateien verknüpft waren, ein Bewegungs- und Reichweitenprofil des Trolls erstellt zu haben, um etwas über dessen Aktionsradius herauszufinden. Man würde annehmen, dass er sich im Mittel aus seiner Zentrale in alle Richtungen gleich weit entfernen würde, um seiner „Beratungstätigkeit“ nachzugehen, allenfalls modifiziert durch die Geographie unserer schönen Heimatstadt sowie gewisser für Leute wie ihn weniger einfach zugänglicher AAA- und Villengebiete, in denen er wahrscheinlich nicht einmal ausatmen dürfte, ohne sofort von einem Aufruhrbekämpfungsteam der örtlichen Schläger-in-Uniform-Brigaden umstellt zu werden. Doch richtig signifikant waren die Bewegungen nicht. Es ließ sich allenfalls eine sehr leichte und nur mit viel gutem Willen unter Zuhilfenahme dreier zugekniffener Augen etwas bevorzugte Gegend seines Erscheinens ausmachen, die sich grob mit Hell’s Kitchen deckte, jener durch den Ausbruch des Mt. Rainier 2017 besonders schwer verwüsteten und von der Stadt aufgegebenen Ecke Puyallups, in der, wie es die Straße sagte, man nicht einmal unbemerkt furzen könne, weil man dabei die in der Luft umherfliegende Asche verwirbelt, was natürlich jeder sehen kann. Andererseits war es wiederum kein Wunder, dass Leute wie Butcher sich bevorzugt dort herumtrieben, wo staatliche Intervention nicht vorhanden war.

Ich war also im Bilde, und kaum hatte ich das erkannt, fiel mein Blickfeld langsam in sich zusammen, und ich schlief mit dem Gesicht auf der Tastatur ein.

MeL 30: Pfui Spinne Part 3 / Suche[Bearbeiten]

Timecode 04.12.2054 / 01:55:00[Bearbeiten]

Da uns natürlich die Neugier plagte, waren wir mit einem gestohlenen LKW zum South Harbor in Tacoma gefahren, um uns anzusehen, was da so abgeht. Nur halbwegs überraschend hatten wir eine Abordnung Spidermen vorgefunden, die ein aus Asien gekommenes Schiff entladen hatten. Das wäre an sich ja nicht so schlimm gewesen, aber Dust hatte festgestellt, daß die Spinnenboys unter Schutz von auf dem Deck herumstehenden Leuten mit dicken Bleibeschleunigern Kisten vom Schiff holten, die irgendwie nach noch mehr Bleibeschleunigertransportkisten aussahen – und daß die Geschäftskunden aus Asien nach Triaden schrien, dass man damit ein ganzes Stadion Seahawks-Fans hätte übertönen können. Zwanglos ergab sich aus dieser Beobachtung allerdings auch, warum leons Schieber so interessiert daran war, zu erfahren, wer da in sein Becken pinkelte.
Das ganze Setting hatte was von einem Action-Trid, und leon hatte recht passend eine Idee zum weiteren Vorgehen vorgelegt, die mir gar nicht behagte, aber ich denke, sie hatte auch mal zeigen wollen, was sie so drauf hat. Ich war allerdings von den anderen überstimmt worden, die aus mir nicht einleuchtenden Gründen offenbar Gefallen daran gefunden hatten. Könnte sein, dass Ator wirklich nur zufällig gerade einen Zauber gekauft hatte, der hier wie der sprichwörtlich Arsch auf den Eimer passte. Könnte sein, dass Dust schon immer mal „Frieden durch überlegene Feuerkraft“ spielen wollte. Aber warum musste immer ich die Spaßbremsen-Rolle bekommen?

Am Ende hatte jeder sein Theaterstück aufgeführt, während ich mir drei Zeigefinger abbiss, weil es mich nervös machte, daß ich im Havariefalle nirgendwo eingreifen konnte. leon hatte lautlos über die Befestigungstaue das Schiff geentert und die Wächter aus dem Spiel genommen, Dusty-Baby hatte dann passend dazu ganz Actiontrid-like mit zwei Ares-LMGs vom Dach des von mir gesteuerten LKW geballert wie eine Wilde, und die gesamte Bande hatte sich verzogen oder die Köpfe hinter dicke Stahlplatten gesteckt. Alle bis auf zwei, die von einem Atorschen Schlafhammer getroffen worden waren, weil der Herr Schmane sich an einer ganz anderen Stelle günstig positioniert hatte – wo „hinter“ der Deckung zwar für Dusts Blei galt, aber aus Ators Perspektive die Jungs „vor“ der Deckung Schutz gesucht hatten. War für sie dann eben blöd gelaufen. Die hatten wir eingesackt und mitgenommen. Da unser Schamane bereits verkündet hatte, mit seiner Neuerwerbung die Wahrheit aus jedem herauszerren zu können, ohne Blutflecken zu hinterlassen, hatten wir gute Möglichkeiten, uns Infos aus erster Hand zu besorgen.

Ich war heilfroh, daß wir ohne Blessuren in Ators ‚Gaskammer‘ zurückkehren konnten. Dort nahm er sich die beiden Gefangenen vor. Sein neuer Verhörzauber sollte ihn dabei unterstützen, und ich war neugierig, wie er in der Praxis aussah. leon, ganz katholische Italienerin, maulte natürlich an Ators TV-Dauerberieselung durch Porn aller Art herum, wobei ihr ebenso natürlich nicht klar war, dass wir Lärm ohnehin nicht hätten gebrauchen können.
„Ähm, ist es sicher, dass diese… Videos … die Gefangenen“, sie deutete dabei auf die beiden immer noch friedlich schlafenden Spidermen, die auf Stühlen mitten im Raum saßen und ebenso friedlich verschnürt waren, „bei der Befragung, bei der sie doch bestimmt wach sein müssen, nicht verwirren oder ablenken? Es wäre doch bestimmt besser, auf alle, äh, unpassenden Reize zu verzichten, oder?“

Ator ließ sie ein wenig zappeln, dann sagte er: „Was meinste, Mister Sergeant Major Miller Sir„, wobei er die militärische Anrede übertrieben betonte, „sollten wir den armen Gefang- äh, Geretteten diese gegen die Genfer Konvention verstoßende Mißhandlung ersparen?“

Unter leons empörten Blicken antwortete ich völlig ernsthaft, wobei ich alle Beherrschung aufbrachte, die ich aus den hintersten Ecken meines Selbstbeherrschungsbeutelchens zusammenraffen konnte: „Aber Herr Gilla, natürlich sollten wir die Unannehmlichkeiten für unsere Gäste auf absolut minimalstem Stand halten.“ Und ich schaffte es, den übertrieben entrüsteten Tonfall fehlerfrei beizubehalten, obwohl ich damit wirklich zu kämpfen hatte. „Wir sind doch keine gewöhnlichen Kriminellen!“ Gespielt umständlich griff ich mir schwungvoll das Bedienpanel und verwandelte mit einem gezielten Stich meines Zeigefingers die leuchtende Fläche, auf der soeben in Großaufnahme ein baseballschlägerähnlicher Metallgegenstand aus einem dadurch weit aufklaffend zurückgelassenen Rektum entfernt wurde, in eine matte, stumpfgrau reflektierende Acrylplatte. Diese Aktion kommentierte ich als Sahnehäubchen mit einem tief befriedigten „So!“
Am Rande bemerkte ich, dass Dust im Hintergrund ebenfalls damit kämpfte, nicht lauthals mit Gelächter herauszuplatzen. Aber diesen Kampf mußte sie allein gewinnen, und sie gab sich alle Mühe. Danke, Dusty.

Als sich alle beruhigt hatten, wirkte Ator seinen Zauber auf die Gefangenen, stellte seine Fragen und bekam passende Antworten. Zum einen, dass das Hauptquartier und Wohnstätte des Spinnenstamms in einer alten Gaeatronics-Anlage in – Überraschung – Puyallup, genauer gesagt, tatsächlich in Hell’s Kitchen zu finden war, und zum anderen, daß der Spinnenschamane etwas dagegen hatte, dass wir seine Jungs aushorchen. Ator hatte nämlich gerade die erste Frage an den zweiten Spiderman gerichtet, als der erste in seinen Fesseln zusammensackte. Als ich mir das genauer ansehen wollte, machte der zweite dasselbe, und Freund Schnappi sagte. „Oh. Tot. Das war wohl magisch aktiviert.“

Dust schluckte. „Und jetzt?“ Nach einer kurzen Pause fuhr sie fort: „Ich mein, wir können die doch nicht einfach in den Kanal werfen oder … “ der Rest war undeutliches Gemurmel. Doch leon half aus: „Wir haben vor knapp einem halben Jahr im Zuge eines Privatruns einen Herrn namens Adam Sheperd kennengelernt. Der hat als Chef einer Abfallverarbeitungsfirma ein durchaus nachvollziehbares Interesse an Leichen aller Art und hat zugesagt, die Verblichenen ihrer Weiterverwendung zuzuführen.“
An dieser Stelle musste ich husten. So konnte man das auch sagen.
Ich war gespannt, ob leon auch erwähnen würde, dass Mr. Sheperd nicht nur beruflich „Interesse“ an Leichen hatte, sondern ihm die „Weiterverwendung“ derer ziemlich am Herzen oder besser gesagt: am Magen lag. Jener Mr. Sheperd und das Personal seiner Firma Agrippa & Associates waren nämlich Ghule, und als solche waren sie stets durch Hunger und Kopfgeldjäger bedroht und gut damit beraten, die Nähe lebender Menschen zu meiden. Jedenfalls hatten wir im Zuge dieses Runs eine kleine Vereinbarung mit ihm geschlossen, die den Passus beinhaltete, dass wir jederzeit Leichen bei ihm abgeben könnten und A&A sich um die restlose Entsorgung kümmern würde. Aber nein, so sehr ins Detail wollte sie momentan offenbar nicht gehen. Sie schien es aber eilig zu haben, die Last loszuwerden, und begann, mit Ator zusammen die Leichen zu verladen. Als sie gerade die Arme des zweiten Opfers griff, fiel ihr etwas ein. „Äh, Dust, liebes“, wandte sie sich an die Soldatin, „ich denke, du kommst lieber nicht mit. Uns kennt er, aber die geraten dort wahrscheinlich alle in Panik, wenn sie dich sehen. So harmlos, dass die sich nicht vor dir fürchten, kannst du dich gar nicht kleiden.“ Auf diese nicht unwichtige Idee war ich gar nicht gekommen, und ich gab ihr da gerne recht.

Bei ihrer Rückkehr war es bereits 04:00 h, so dass wir uns lieber noch mit einer Mütze Schlaf ausstatteten und den Sturm auf Gaeatronics auf den nächsten Tag verschoben.

Timecode 05.12.2054 / 16:00:00[Bearbeiten]

Wir trafen uns wieder bei Ator, dessen Behausung für Nichtalligatoren allgemein wenig einladend war, in unserem Falle aber bereits einen Vertrautheitsbonus hatte. Durch die Nutzung verschiedener Informationskanäle hatten sich einige interessante Dinge ergeben. Da waren:

  • eine Quelle hatte sich bei mir gemeldet und berichtet, dass ein Abgesandter des Heiligen Stuhls mit dem Namen Pietro Rinaldo in Seattle weilte und sich für die Spidermen interessierte. Obendrein bekam ich einen Anruf von Mr. Anson Helm, der nachfragte, ob es in meiner/unserer Machbarkeit wäre, einen Auftraggeber ausgerechnet nach Hell’s Kitchen zu begleiten. Da wir ohnehin dorthin wollten, behielt ich mir vor, ein Gespräch mit dem Herrn zu suchen. Bei Interesse sollten wir uns an diesem Abend um 21:00 h im Club Penumbra einfinden. Dort würde uns ein „Mr. Johnson“ ansprechen.
  • Leon hatte ihren Schieber Fred im Lazarett besucht. Der wollte zuallererst wissen, wer da was mit den Spidermen macht und war durchaus zufrieden, als leon ihm die Ergebnisse unseres Hafenausflugs vorlegte. Er hatte noch etwas Geld für uns, wenn wir diese Geschäfte unterbinden würden und wollte einen dicken Bonus drauflegen, wenn leon ihm Butchers rechten Arm bringen würde. Unnötig zu erwähnen, dass sie begeistert eingeschlagen hatte.
  • Dust war über ein Trid gestolpert, das in einem der vielen Lokalsender lief. Demnach waren in einem Kühlcontainer in den Docks am Tacoma South Harbor etwa 200 menschliche Herzen gefunden worden – eine Lieferung, die keine der offiziellen Transplantationskliniken beauftragt hatte (und die selbst in jenem Falle garantiert nicht ausgerechnet dort angelandet wäre).

Nebenbei hatten wir noch ein wenig Hintergrundrecherche zu Gaeatronics durchgeführt, waren aber zu der Auffassung gelangt, daß der Konzern nicht darüber informiert war, wer dort in ihren Ruinen lebte. Das würde uns zumindest der Sorge entheben, auch noch mit Konzerntruppen rechnen zu müssen, die Firmeneigentum verteidigen wollen.

Das hieß für uns: erst ins Penumbra und Johnson checken, dann ausrüsten und Abmarsch. Den Weg nach Hell’s Kitchen wollten wir in einem gemieteten Heli zurücklegen, da die Straßen in Puyallup in chronisch schlechtem Zustand waren und nichts die Bewegungsflexibilität einer Rotormaschine toppen konnte. Zufälligerweise konnte mein Lieblingsschieber gegen eine kleine Gebühr von 50k ein solches Vehikel klarmachen. Wir schwammen ja sozusagen in Geld, also überlegten wir nicht lang und nannten diese Verschwendung „Investition in Sicherheit“. Man kann ja nie wissen …

Timecode 05.12.2054 / 22:30:00[Bearbeiten]

Es zahlte sich immer aus, ein paar Aktionssofts in der Tasche zu haben – zumindest, wenn sie zu den Talentleitungen passten, die man hatte. Jedenfalls hatte der Chip „Hubi fliegen 101“ uns der Notwendigkeit enthoben, Fremdpersonal einzukaufen. So konnten wir direkt dorthin fliegen, wo wir gebraucht wurden.

Das Treffen mit dem Johnson war eine echte Überraschung gewesen. Kaum zugesagt, hatte der junge Mann, ein knapp 1,90m großer Endzwanziger mit blonden Haaren und grünen Augen, der einen weißen Trenchcoat und weiße Handschuhe trug, uns mit den Einzelheiten seines Jobs vertraut gemacht. Wir waren fast von den Stühlen gekippt, als er uns sein Vorhaben eröffnete, in ein altes ehemals von Gaeatronics betriebenes Industriegelände in Hell’s Kitchen einzudringen, um dort Wendigos zu jagen, und wir sollten sein Begleitschutz sein. DAS Gaeatronics-Gelände. Wir konnten ihm daher bereits einen Marschplan vorlegen, den er anstandslos akzeptierte. Gegen 22:00 h hatten wir ihn an einem vorher vereinbarten Treffpunkt abgeholt und waren dann in die Ödnis abgeknattert. Aus Sicherheitsgründen hatte ich den Hubi hundert Meter entfernt vom Ziel gelandet, und den Rest waren wir dann zu Fuß gelaufen. Ich war übrigens heilfroh, daß der Johnson für den Einsatz wenigstens adäquate Kleidung trug, die auch in adäquaten Farben gehalten war. Den weißen Trenchcoat hätte ich ihm wahrscheinlich zur Not mit den Rotoren der Ares-Maschine von seinen dürren Knochen gehobelt.

Kaum hatten wir das Gelände der Anlage betreten, wurden wir auch schon entdeckt. Ein paar Schreie ertönten, dann ging schon das Geknatter aus MPs los, das von dumpfen Donnerschlägen aus großkalibrigen Faustfeuerwaffen unterstützt wurde. Allerdings waren die Wächter des Netzes keine militärisch geschulten Experten mit Felderfahrung, und so half es ihnen auch nichts, dass sie sich in ihrer hood besser auskannten. Während Dust und ich die Gegner mit Sperrfeuer belegten, nahm sich leon einen nach dem anderen in Deckung liegenden Schläger vor und meuchelte, was das Zeug hielt, und auch Ator hatte wegen seiner Astralpeilung leichtes Spiel mit den Gegnern, die so unvorsichtig waren, eines ihrer Körperteile in sein Sichtfeld zu halten. Nach etwa zehn Sekunden senkte sich Stille über die Ruinen.

Wir hasteten vorwärts, und eine Art Trampelpfad im Staub führte uns zu einer geschlossenen Tür, die uns den Zugang zu einer Halle verwehrte. Da ich nicht vorhatte, den für sündhaft viele Penunzen gemieteten Helikopter hier ohne Bewachung stehenzulassen, suchte ich nach Ideen, wie man das Gerät zusammenklappen und mitnehmen könne. Als ich den dicken senkrechten Stahlträger sah, der direkt neben der Türzarge seinen Dienst als Bestandteil der tragenden Struktur der Halle verrichtete, fiel mir etwas ein. Ich ging 20 Meter zurück und sah auf dem Dach einen Aufbau. Prima. Ich beschloss, den Versuch zu wagen.

„Leute, ich hab ’ne Idee.“ Die anderen drehten sich um. „Ich setz den Hubi aufs Dach. Da ist er sicher vor Manipulationen aller Art, und außerdem sind wir uns doch einig, dass wir nicht in einer Mausefalle sitzen wollen, oder? Ich bin da oben in überlegener Position, und mein kleiner Freund hier“, erklärte ich, während ich den Unterlauf-Granatwerfer meiner AK-98 präsentierte, „hat ziemlich explosive Eier, die Flächenschaden machen. Das muss reichen. Haltet mich über Funk auf dem Laufenden, egal was ihr seht. Und erst recht, wenn ihr wieder auf dem Rückweg seid. Friendly Fire braucht hier niemand. Wenn’s hier dampft, sag ich’s natürlich auch durch, aber ob ihr ’nen Abbruch macht, ist dann eure Entscheidung.
Also: wenn ihr hier durch diese Tür geht, sichere ich von oben gleichzeitig den Dachzugang. Danach seid ihr auf euch gestellt. Noch Fragen? Nein? Dann los. Ich hab so’n blödes Gefühl.“ Und was ich für eins hatte. Selten hab‘ ich mich darüber mehr geärgert als an jenem Tag, nicht an zwei Orten gleichzeitig sein zu können.

Gesagt, getan. In dem Moment, als leon die Zugangstür zur Halle aufriss, öffnete ich die Tür auf dem Dach. Vor mir lag ein Treppenhaus, das allerdings nur noch in Resten existierte. Die Treppe, die unmittelbar vor mir abwärts führte, war nach wenigen Metern abgebrochen, und ich konnte direkt die ganze Halle überblicken, die mit Schrott und Schutt gefüllt und bestimmt nicht so angelegt worden war. Von meiner Position aus konnte ich leon sehen, die gerade die Halle betrat und sich irgendwie seltsam bewegte, so, als würde sie sich durch einen Schlauch winden. Und ich sah noch etwas. Zwei … Dinger… mit acht dünnen Beinen, die an etwa zwei Meter große Plüschbälle erinnerten und sich in einem Bereich der Halle aufhielten, den leon bald betreten würde. Ich konnte sie dank meiner Infrarotsicht einwandfrei wahrnehmen, befürchtete aber Komplikationen, wenn die Dinger da leon früher wahrnahmen als sie die. Zum Glück konnte man da mit geeignetem Gerät Abhilfe schaffen und zu weiterem Glück hatte ich ein solches Gerät gerade zur Hand. Ich zögerte also nicht lange und setzte eine Granate aus der AK exakt zwischen die beiden zu groß geratenen Wischmopps. Es knallte ziemlich heftig und hallte scheppernd von den bröseligen Wänden wider. Aber als der Staub abzog, konnte ich nur noch auf größerer Fläche verteilte Plüschfetzen erkennen. Und als ich zu leon sah, stand sie gerade vorsichtig wieder auf, als hätte man ihr gerade Fesseln abgenommen. Ich wunderte mich zwar, gab aber kurz über Funk durch: „zwei seltsame Gegner neutralisiert. Ihr kommt zu spät, Leute.“ Um nicht als Großmaul dazustehen, dirigerte ich die Meute noch zu den Überresten, die sie etwas ratlos untersuchten. Nein, sie konnten sich auch keinen Reim drauf machen, was das für Wesen gewesen sein sollten. Dann entdeckte Dust eine Tür, vor der ebenfalls Trampelspuren zu sehen waren, und die den Weg zu einem weiteren nach unten führenden Treppenhaus freigab. Die Gang sammelte sich also, um den unterirdischen Teil des Komplexes zu raiden.

Natürlich war ich ab diesem Punkt sozusagen raus, und ich konnte nur hoffen, daß Dusts LMG-Gurte und Ators Magiepower dem Team da unten den Vorteil verschaffen konnten, den es brauchte. Ich bereitete mich hingegen auf den langweiligen Teil der Teamarbeit vor.

MeL 31: Pfui Spinne Part 4 / Fund[Bearbeiten]

Timecode 05.12.2054 / 22:35:00[Bearbeiten]

Ich saß da also auf dem Dach und begann mich zu langweilen, weil ich kaum was von meinen Leuten hörte. Sie hatten in den Kellerräumen ein Loch in der Wand gefunden, das sich als ein wie mit Säure in die Lava gefressener Gang entpuppte, der endlos zu sein schien und in dem der latente Verwesungsgestank, der die Anlage durchzog, stärker zu sein schien. Dem wollten sie folgen, und ab da wurde die Funkverbindung langsam aber sicher immer schlechter. Das gefiel mir gar nicht, aber mir waren wirklich die Hände gebunden.

Dann bekam ich nach viel zu langer Zeit, bei der mein Zeiteisen mir frech vorschwindelte, es wären erst sieben Minuten vergangen, wieder ein Signal. Es war Dust, und sie berichtete, daß sie JD gefunden hätten und auch gleich den Wendigo, den unser Johnson jagen wollte. Blöd, dass JD bewußtlos im Würgegriff des Wendigos hing, als unsere Crew auf den Plan trat, und sie Zeugen werden konnten, wie das mit der Regenerationsfähigkeit dieser Wesen so aussieht. leon hatte nämlich die schlaue Idee gehabt, mit einem wohlgezielten Hieb ihrer Monopeitsche den Arm des Wendigos abzutrennen, der JD hielt. Der Wendigo war daraufhin umgefallen und hatte unseren Kumpel fallengelassen, und noch während der Johnson den Critter mit irgendeinem KO-Zeug transportfertig machte, wuchs dessen Arm bereits nach. Zum Glück oder auch dem Plan des Johnsons folgend, blieb der Wendigo tatsächlich bewusstlos, so dass sie ihn und JD langsam aber stetig Richtung Ausgang tragen konnten.

Es hätte so schön enden können. Immerhin hatte uns der Auftraggeber einen Haufen Kohle versprochen, wenn wir ihm die Wendigojagd ermöglichen, also hätte es genau so enden sollen.

Tat es natürlich nicht.

Denn plötzlich kamen diese drei Typen von irgendwoher angelatscht und stiefelten über das Gelände geradewegs in Richtung der Halle, in der meine Gang verschwunden war. Zwei von ihnen waren in Panzerung gehüllt, die in etwa so aussah, wie man es sich vorstellen würde, wenn man Ritterrüstungen an heutige Erfordernisse anpassen müsste, und in ihrer Mitte hatten sie einen.. nuja, einen Priester, hätte ich gesagt. Ich konnte mir natürlich vorstellen, dass ausgerechnet in einem Bezirk, den man Hell’s Kitchen nennt, ein Kruzifix allein einem Pfaffen nicht helfen würde, aber die Aufmachung dieser Figuren war wirklich etwas sehr übertrieben. Dann fiel mir wieder ein, dass mein Kontakt von einem Abgesandten des Vatikans gesprochen hatte, der die Spidermen sucht. Und auf deren Hausdach stand ich ja gerade. Das da unten war also Mr. P. Rinaldo aus Rom mit zwei Aufpasser-Boilershirts. Aha. Ich gab eine Schilderung dessen nach unten, was ich gerade sehen durfte, dann setzte sich der Priester vor der Eingangstür in den Schneidersitz und begann zu … meditieren? Seine Blechdosen machten derweil einen wichtigen Eindruck indem sie sehr schön und wunderbar synchron ihre Schwerter zogen und in Habacht-Stellung gingen, waren aber offenbar ein wenig blind, denn den recht ansehnlichen (und ansehnlich großen) Heli auf dem Dach der Halle hatten sie nicht gesehen, als sie sich näherten. Und ich blieb natürlich in Deckung.

Plötzlich quakte Dust mit offensichtlicher Panik in mein Ohr: „Sille, mach den weg!!“ Leonora mischte sich in den Stream und heulte gequält „Neeeein, nicht!“ Und ich reagierte. Dust hatte eine militärische Ausbildung genossen, und wenn sie so direkt ein Ziel angab, dann war das nicht zum Spaß. leon hingegen… ich konnte mir vorstellen, dass sie vor allem buckelte, was nach Kirche aussah, denn das war im Land des Vatikans wahrscheinlich schon seit Jahrtausenden Usus, und Dusts Zielangabe musste für sie so etwas wie ein Frevel sein. Ich tat also, was getan werden musste und schickte eine sauber gezielte Granate vom Dach mitten in die kleine Gruppe. Soweit der Plan, zumindest. Ich hatte leider nicht damit gerechnet, daß Vaticano-Rinaldo sich einen superschönen und sehr effektiven Panzer gezaubert hatte, bevor er sich hinsetzte. Auf der anderen Seite hatte der Pfaffe bestimmt nicht damit gerechnet, dass ich explosive Eier hatte.

Ich schickte also den Knallbonbon hinunter, und etwa fünf oder sechs Meter oberhalb des Priesterkragens explodierte er. Ich konnte sehen, wie die Detonationswolke an einer halbkugelförmigen, unsichtbaren Barriere abfloß, aber der Priester wurde durch die Druckwelle ordentlich umgeworfen. Ich hörte aus meinem Kom noch ein „MACH SCHON!“ von Dust, als meine zweite Granate diesmal ohne Ablenkung ihr Ziel fand und genau im Gesicht des Priesters zündete. Italienische Fleischfetzen flogen in alle Richtungen, und einer der beiden Konservenmänner wurde von der Druckwelle gegen genau den einen Stahlträger geschleudert, der mich erst auf die Idee gebracht hatte, mich hier oben zu positionieren, wo er regungslos liegenblieb. Den anderen hatte es weniger stark erwischt, denn er schaffte es noch, eine HK MP7 zu greifen, aber er war nicht mehr koordiniert genug, um noch vernünftig auf mich anlegen zu können. Ich wollte kein Risiko eingehen und ließ mir daher eine Zehntelsekunde mehr Zeit zum Zielen. Eine Salve später schepperte ein dreifach durchlöcherter Ritterhelm einige Meter entfernt auf einen Schuttberg, während sein ehemaliger Träger kopflos zusammenbrach.

„Dust, bitte melden“, rief ich in mein Kom. „Sag was!“ Erleichterung durchströmte mich, als ich ihre Antwort hörte. „Du bist der Beste, Kurzi. Der Elementar ist weg. Wir kommen in einer Minute da raus.“ Elementar? WTF?

Ich ließ mich kurz zusammensinken, dann sprang ich in den Hubi und startete den Motor. Ich war gerade unten gelandet, als die Gang auch schon aus der Halle kam und die beiden Bewußtlosen mit sich schleppte. Nachdem der Nutzlastcontainer gefüllt war, machten wir, dass wir wegkamen.

Unterwegs ließ ich mir von Ator erzählen, was für einen Elementar die Gang da unten getroffen hatte, und hätte kichern mögen, wenn es nicht so ernst gewesen wär. Wenn selbst Dust in Panik geriet, musste die Opposition heftig gewesen sein. „Das kannste laut sagen“, ereiferte sich der Schamane. „Ein wahrhaft riesiger Feuerelementar in biblischer Ikonografie. Sozusagen ein flammender Erzengel mit flammendem Schwert. leon hat natürlich sofort im Staub gelegen und mit ihrer in dieser Situation extrem hilfreichen Beterei angefangen, während Dusty und ich lieber das Ding mundan und astral angriffen, nachdem es uns rösten wollte. Der Feuerengel war aber so heftig, dass wir wahrscheinlich den kürzeren gezogen hätten, wenn du nicht an der besten Position ever gewesen wärst.“

Ich nickte. „Wir hatten aber auch echt Suppe. Wenn die den Hubi gesehen hätten, hätten sie sich womöglich irgendwohin gesetzt, wo ich nicht hätte draufspucken können. Egal. Das Ergebnis zählt.“ Damit war das Thema für uns erledigt, und wir konnten uns um die wichtigen Dinge kümmern. Wir mussten nämlich noch sicherstellen, dass eine Untersuchungskommission des Vatikans keine Spuren finden konnte, die zu uns führen könnten. Wir entwickelten in aller Kürze den Plan, die komplette Anlage mit Brandbomben einzudecken, um ganz sicher zu gehen. Dafür jedoch mussten wir den Bonus für Butchers Arm sausen lassen.

Doch zuerst flogen wir zu dem Ort, an dem der Johnson zugestiegen war und er einen LKW geparkt hatte. Wir halfen noch beim Umladen des immer noch bewusstlosen Wendigos, und der Johnson fragte noch nach erweitertem Begleitschutz für die Übergabe des Materials an seinen Kunden. Als er allerdings hörte, dass dafür Extragebühren fällig würden, kniff er sich sein Mädchengehabe, gab uns das versprochene Geld und rauschte davon.

Als wir starteten, fiel mir noch etwas ein. Ich öffnete das Interkom und fragte ins Lastmodul: „leon, jetzt wo der Paradiesvogel weg ist – ich hab da noch was. Ich hab dich vorhin gesehen, als du in die Halle rein bist, und das sah irgendwie komisch aus. Ich hab nur nichts von dir gehört. Was war da los?“
leon antwortete erst einige Sekunden später. „Wie konntest du mich sehen? Ich war doch in einem Tunnel…“
Ich stutzte. Ach so? Misstrauisch geworden, schilderte ich ihr meine Eindrücke vom Hallendach und wie ihre Bewegungen auf mich gewirkt hatten. Dann war es an ihr, etwas perplex zu sein. Zögernd antwortete sie: „Als ich durch die Tür gegangen bin, fand ich mich in einem Tunnel wieder, der mit so kleinen Stacheln besetzt schien. Nicht spitz genug, um mich zu verletzen, aber sehr eng und bewegungseinschränkend, und ich bin mit allem möglichen immer wieder an diesen Mistdingern hängengeblieben. Nachdem du deine Granate abgefeuert hattest, war das weg, aber jetzt, wo du’s sagst, fällt mir auf, dass ich keine Fetzen von diesem Ding gesehen hab.“ Ich wollte gerade zu einer etwas gewagten Hypothese ansetzen, als Ator neben mir zu sprechen anfing. „Au Backe, das würde das erklären.“ Ich atmete wieder aus und harrte einer genaueren Erklärung. Offenbar war mein Blick etwas zu stechend, denn er murmelte leicht verärgert „ja doch, mann“, bevor er lauter und deutlicher fortfuhr, damit auch leon alles mitbekam:
„Nachdem es geknallt hatte und du uns die komischen Überreste gezeigt hattest, hab ich nochmal einen astralen Rundblick geworfen, und ich konnte sehen, dass diese Wesen magisch gewesen waren, aber es gab da noch eine … hhmmm … sagen wir, nachleuchtende Spur in der Nähe der Tür und länglich in die Halle hinein führend. Als ob dort ein Zauber gewirkt worden wäre, aber“ hier bekam seine Erzählung einen vorwurfsvollen Tonfall, „es hatte ja niemand etwas von einer magischen Einwirkung erzählt, daher war ich mir nicht sicher, ob ich das wirklich richtig gesehen hatte. Solche Spuren verflüchtigen sich recht schnell.“
Ich nickte. Eine magische Falle, die in dieser Situation dazu geführt hätte, dass niemand aus unserer Gruppe seine Nah-oder Fernkampffähigkeiten hätte ausspielen können, während die Verursacher von „draußen“ mit beliebig viel Schmackes auf uns eingehackt hätten. Wir waren haarscharf an einer echten Katastrophe vorbeigerauscht. Memo an erst mich selbst und dann bei der nächsten Teambesprechung an alle: mehr sinnvolle Kommunikation.
Dust machte sich während des Fluges in Fortführung des zuvor gefassten Plans daran, mit ihrem Riggerkumpel die Flächenbombardierung der ganzen Anlage auszumachen. 75 Dicke wollte der Kerl haben, aber wenn uns das ein Rachekommando des Vatikans ersparen würde, waren wir sehr sicher, dass es uns das wert war. Denn wie ich mir von Dust bestätigen lassen konnte, war der Elementar wirklich einer von der ganz harten Sorte gewesen, und sie waren beide sehr froh, dass sie per Umweg über das Ableben des Beschwörers einigermaßen glimpflich davongekommen waren. Leonora hingegen jammerte, nun ohne Punkt und Komma, da der Johnson, deretwegen sie sich vorher etwas zurückgenommen hatte, inzwischen weg war, die ganze Zeit herum, was für ein Kack wir da veranstaltet hätten, und das hätte man doch auch anders regeln können und überhaupt, der Pater war ein Mann Gottes und so weiter und so fort. Wie ich es mir gedacht hatte. Tausendfünfhundert Jahre Gehirnwäsche hinterlassen ihre Spuren.

„Wenn die nicht gleich die Klappe hält, werf ich sie raus“, schimpfte ich. Ator, der neben mir in der Kanzel saß, grinste. „Ja, die heult nur rum, obwohl dieser Elementar ziemlich unchristlich drauf war.“ Ich wollte schon die Interkomverbindung zum Lademodul kappen, damit endlich Ruhe war, aber aus irgendeinem Grund hielt ich den Kanal doch offen.

„Jetzt müssen wir JD wieder flott bekommen“, sprach ich unseren Schamanen erneut an. „Kriegst du das hin?“
Er wiegte den Kopf. „Er sieht ziemlich übel aus, und ja, ich kann es versuchen, wenn die zugrundeliegende Verletzung nicht schon zu alt ist. Geh bei nächster Gelegenheit runter, damit ich mir den ansehen kann. Hast ja recht.“ Er zog sein schiefes Grinsen, und ich war froh, dass wir alles einigermaßen gut überstanden hatten.

Ich suchte noch nach einem geeigneten Landeplatz, als aus dem Interkomkanal plötzlich Flüche und Schreie drangen. „Merda!“ „Was zum FUCK!??“
Ohne Umschweife nahm ich den kompletten Auftrieb aus dem Rotor, so dass wir fast frei fielen. Ich mußte so schnell wie möglich landen, um überhaupt die Möglichkeit zu bekommen, irgendetwas zu tun – etwas, von dem ich noch nicht wusste, was es sein müßte. Aber sowohl leon als auch Dust hatten erschreckt und bestürzt geklungen, und das war ein schlechtes Zeichen.

Ich gab ein kurzes Warnzeichen nach hinten, dann fing ich den Flattermann ab, und 3g preßten mich in die Polster. Über die Komleitung hörte ich wieder leon, die jetzt etwas Unverständliches brabbelte. Eher Wehklagen als Panik. Sie verstummte erst, als ich hart auf einem Sandhaufen landete. Als ich dann mit der AK im Arm die Tür zum Lademodul öffnete, wurde mir das Ausmaß der Misere bewußt. JD, oder besser gesagt, die Leiche des Wesens, das dereinst Max Brody gewesen war und der für uns in doppelter Hinsicht immer ein John Doe geblieben war, lag im Hubschrauber, fein säuberlich getrennt nach Wendigo-Kopf und Wendigo-Körper. Dust stand hochaufgerichtet mitten in der Kabine und blickte zu Boden, das LMG in der Armbeuge, während leon auf einer der Bänke saß, das Gesicht in den Händen verbarg und sich Vorwürfe machte.

„Ich bin so scheiße. Ich wollte ihn nur aus dem Griff des Wendigos befreien, und die Monopeitsche war das einfachste. Mann! Ich dumme Fotze. WENDIGO! EmmEmmVauVau! Ork. Blut, das überall hinspritzt. Ich hab ihn infiziert. Fuck! Fuckfuck!“ In hilfloser Wut hieb sie sich auf die Knie.

Mir wurde übel. Wir hatten ein Teammitglied retten wollen und waren dann doch so schlau gewesen, auf dem letzten Meter zu verkacken. Gründlich zu verkacken.

Ich begann an diesem Abend, das erste Mal wirklich ans Aufhören zu denken.

Quellen[Bearbeiten]

Die geschilderten Geschehnisse beruhen auf den Erlebnissen der SC-Gruppe von Benutzer Goronagee. Neben den oben genannten Romanen und Abenteuern fanden folgende Sourcebooks Verwendung:

Liste der Sourcebooks:

Weblinks[Bearbeiten]